Noch bis zum 21. Mai soll Stephen Colbert, 61, auf CBS auf Sendung gehen, anschließend ist nach dem Willen des Senders Schluss. Wie sehr sich die Stimmung bei dem einst liberalen US-Sender in den vergangenen Monaten verändert haben muss, das verdeutlicht der jüngste Auftritt des Late-Night-Moderators: In seiner Sendung am Montagabend warf Colbert CBS vor, ihm die Ausstrahlung eines Interviews mit dem demokratischen Politiker James Talarico untersagt zu haben.
Talarico sitzt derzeit im Repräsentantenhaus von Texas und strebt eine Wahl in den US-Senat an. Eigentlich hätte er in der Folge Rede und Antwort stehen sollen, aber gleich zu Beginn teilte Colbert mit: Die Rechtsabteilung seines Senders habe ihn angerufen und ihm »unmissverständlich« mitgeteilt, dass das Interview nicht ausgestrahlt werden könne. Mehr noch: Er solle nicht einmal darüber sprechen, dass das Interview nicht zu sehen sei. »Und weil mein Sender absolut nicht will, dass wir darüber sprechen – sprechen wir darüber«, sagte er unter dem Jubel des Publikums.
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Colbert erläuterte anschließend, dass CBS die Ausstrahlung unter Verweis auf Richtlinien der US-amerikanischen Telekommunikationsaufsicht Federal Communications Commission (FCC) verweigert hätte, wonach Kandidaten für politische Ämter gleichwertige Sendezeit zu gewähren sei. Diese Regelung an sich gebe es seit Langem, ebenso wie eine Ausnahme, erläuterte Colbert: Diese gelte für Nachrichtenformate und Talkshow-Interviews mit Politikern wie in seinem Fall. Diese Ausnahmen wolle der unter Donald Trump eingesetzte FCC-Chef Brendan Carr aufweichen, wie aus einem Brief von ihm hervorgehe.
Allerdings, so Colbert, sei die althergebrachte Regelung noch nicht formell abgeschafft. »Er hat nur einen Brief veröffentlicht, laut dem er über die Abschaffung der Ausnahme nachdenkt. Er hat es noch nicht getan. Aber mein Sender verhält sich einseitig so, als wenn er es schon hätte.«
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Zudem kündigte Colbert an, dass seine Zuschauer das Interview mit Talarico dennoch zu sehen bekommen könnten – nur nicht im Fernsehen. »Der Sender sagt, ich dürfe Ihnen keine URL und keinen QR-Code geben. Aber ich verspreche Ihnen: Wenn Sie auf unsere YouTube-Seite gehen, werden Sie es finden.« Mittlerweile ist das Interview dort abrufbar.
