Stefan Kuntz hat eine erstattete Anzeige gegen unbekannt zurückgezogen. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft Hamburg dem SPIEGEL am Donnerstagabend. Zuvor hatte die »Hamburger Morgenpost« berichtet.
Hintergrund ist die Trennung, die Fußball-Bundesligist Hamburger SV überraschend zum Jahreswechsel verkündete. Dort war Kuntz Sportvorstand, musste aber gehen, offiziell im Einvernehmen. Später machte die »Bild am Sonntag« Vorwürfe der Belästigung von HSV-Mitarbeiterinnen bekannt. Der HSV-Aufsichtsrat sprach von einem »schwerwiegenden Fehlverhalten« von Stefan Kuntz und nannte die Vorwürfe glaubhaft. Kuntz selbst hatte die Vorwürfe »entschieden zurückgewiesen«.
Auch der SPIEGEL hat zu dem Fall recherchiert und Kontakt zu einer mutmaßlich betroffenen HSV-Mitarbeiterin aufgenommen. Kuntz soll sich ihr und anderen Frauen auf der HSV-Geschäftsstelle gegenüber unpassend geäußert haben, es soll auch zu »unangemessenem Körperkontakt« gekommen sein. Lesen Sie die Recherche hier.
Nach der Trennung wurde auch bekannt, dass Kuntz über eine Kanzlei »Anzeige gegen unbekannt wegen des Vorwurfs der Nachstellung« erstattet hatte. Über jene Anzeige herrschte zunächst Verwirrung: Medien hatten darüber berichtet, bei der Hamburger Staatsanwaltschaft war die Anzeige allerdings zunächst nicht im System registriert worden.
Ermittlungen dauern an
An diesem Donnerstag stellten sich zwei Dinge heraus: Die Anzeige gegen unbekannt war tatsächlich am 12. Dezember eingegangen, allerdings erst nach einiger Zeit im internen System der Hamburger Behörden eingetragen. Deshalb konnte ihre Existenz erst jetzt bestätigt werden.
Und: Dieselbe Kanzlei, die in Kuntz’ Namen Anzeige erstattet hatte, hat diese inzwischen zurückgezogen. Warum das so ist, bleibt zunächst offen. Die Anzeige wurde am 8. Januar zurückgenommen, also kurz bevor die Anschuldigungen gegen Kuntz erstmals öffentlich wurden.
Trotzdem wird im Fall Kuntz weiter ermittelt. Unabhängig vom Rückzug der Anzeige ist die Behörde verpflichtet, den Sachverhalt weiter zu prüfen.
Brisant ist der Vorgang, weil Kuntz die Anzeige nur wenige Tage nach Beginn interner Untersuchungen beim HSV eingereicht hatte. Der Klub prüfte Anfang Dezember auf höchster Ebene die Vorwürfe gegen den 63-Jährigen. Am 31. Dezember folgte die einvernehmliche Vertragsauflösung. Am Montag sprach der Klub dann erstmals über »Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens«.
