Start-ups in Deutschland und Europa locken weiterhin nur wenig Wagniskapital an. Das ergab eine Studie des Verbands forschender Pharma-Unternehmen. Demnach fließt die Hälfte allen Risikokapitals in junge Firmen in den USA. Europa folgt mit 16 Prozent mit erheblichem Abstand, knapp vor China (14 Prozent). In Deutschland landen lediglich 2,5 Prozent des global verfügbaren Wagniskapitals.
Dabei handelt es sich um Gelder privater Investoren, die eine Lücke füllen: Viele Start-ups tun sich schwer, an klassische Finanzierungen bei Banken zu kommen. Wagniskapitalgeber gehen mithin große Risiken ein, können dafür aber erheblich von einem Unternehmenserfolg profitieren, etwa durch Anteilsverkäufe oder Börsengänge. Der aktuelle Rückstand gegenüber den USA fällt noch deutlicher aus, wenn man das verfügbare Risikokapital ins Verhältnis zur vorhandenen Wirtschaftsleistung setzt. So entsprächen die Wagniskapital-Milliarden, die US-Start-ups jährlich zuflössen, mittlerweile fast einem Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Europa hingegen kommt laut der Erhebung nur auf 0,2 Prozent, Deutschland liegt sogar noch darunter.
Während es in Europa hier immerhin zuletzt einen leichten Aufwärtstrend gegeben habe, bewege Deutschland sich tendenziell nach unten, so die Studienautoren. Es handle sich »vor allem um ein Problem mit Blick auf die Anlagechancen«. Deutschland müsse »die Lücke zu den USA schließen«, um seine »internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern«.
Tatsächlich führt der Mangel an ausreichendem Wachstumskapital immer wieder dazu, dass europäische Start-ups in den USA Kapital suchen oder abwandern. Neben einer insgesamt niedrigeren Risikobereitschaft und bürokratischen Hemmnissen nennen die Wissenschaftler auch höhere Steuern auf private Anteilsverkäufe als Hemmnis für mehr Wachstumskapital in Europa.
Als mögliche Gegenmaßnahmen gelte es, steuerliche Anreize zu verbessern und regulatorische Hürden abzubauen. Zudem sei ein »integrierter europäischer Kapitalmarkt zentral, um die Skalierung junger Unternehmen zu erleichtern«.
Das sieht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), einst Berater des Finanzinvestors Blackrock, offenbar ähnlich: Er forderte zuletzt wiederholt »einen ausreichend breiten und tiefen Kapitalmarkt« in Europa, damit junge Wachstumsunternehmen »sich besser und vor allem schneller finanzieren können«, sowie »eine Art European Stock Exchange, damit erfolgreiche Unternehmen wie zum Beispiel Biontech aus Deutschland nicht an die New Yorker Börse gehen müssen«.
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