Das Video, das der Account »MAGANationX« am 9. November auf X teilt, zeigt eine Demonstration in New York City. Menschen schwenken Flaggen, tanzen, schlagen sich mit den Händen auf die Brust. Viele Frauen tragen Hidschab, auch Kinder sind zu sehen. Worum es bei dem Protest geht, ist unklar. Das Video stammt von einem TikTok-Account, der mittlerweile gelöscht ist.
»MAGANationX« hat trotzdem eine starke Meinung dazu. »Das ist nicht Islamabad, Karatschi oder Kabul«, schreibt der Account . »Das ist New York City. Was passiert mit unserem Land?«
Rund zwei Wochen später wollen Nutzer auf X »MAGANationX« entlarvt haben. Das mit »unserem Land« sei gar nicht so einfach, sagen sie. Denn hinter dem Profil mit seinen knapp 400.000 Followern stehe gar kein US-Amerikaner. Der Account ist in Nigeria registriert, das zeigt eine neue Funktion bei X.
Seit dem Wochenende ist bei Profilen nicht nur zu sehen, wann sie erstellt wurden und welchen Standort sie selbst angegeben haben. Mit einem Klick auf den Beitrittsmonat öffnet sich auch ein zusätzliches Fenster, »Über diesen Account«. Dort ist der Ort einzusehen, von dem ein Konto überwiegend betrieben wird, laut X basierend auf »aggregierten IP-Adressen«. Außerdem steht dort, wie oft der Nutzer seinen Namen geändert und wo er die App installiert hat.
Wunsch einer Nutzerin
Nikita Bier, Produktchef bei X, hatte die Funktion schon im Oktober angekündigt . Zuvor hatte eine Nutzerin, die sich selbst als »stolze und dankbare Amerikanerin« bezeichnet, X-Chef Elon Musk gebeten , das Herkunftsland eines Accounts im Profil anzugeben. »Ausländische Bots« würden »Amerika auseinandernehmen«, schrieb sie. Bier antwortete: »Gib mir 72 Stunden.«
When you read content on X, you should be able to verify its authenticity. This is critical to getting a pulse on important issues happening in the world.
— Nikita Bier (@nikitabier) October 14, 2025
As part of that, we're experimenting with displaying new information on profiles, including which country an account is… pic.twitter.com/OYgT1OiJdA
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In der Nacht von Freitag auf Samstag tauchte das Standort-Feature erstmals auf. Einige Stunden später wurde es wieder entfernt, wohl weil es nicht so zuverlässig war wie gedacht. Zahlreiche Nutzer hatten sich beschwert, ihr Standort werde falsch angezeigt. Es gebe noch ein paar Probleme, schrieb Bier , die sich in den darauffolgenden Tagen klären würden.
Seit dem Wochenende sind die Daten wieder verfügbar. Und wie es auf X so ist, nutzen die Leute sie vor allem, um gegen andere auszuteilen. Accounts aller politischen Lager versuchen, mithilfe der Funktion Gegner bloßzustellen, die womöglich etwas vortäuschen. Sie finden einige.
MAGA-Accounts im Ausland
»IvankaNews_«, eine Fanseite für Donald Trumps Tochter Ivanka, wurde Medienberichten zufolge ebenfalls aus Nigeria betrieben. Mittlerweile ist der Account gesperrt . Den Berichten nach soll er mehr als eine Million Follower gehabt haben. Auf X finden sich inzwischen weitere Profile mit ähnlichem Nutzernamen, Bildern und Beschreibung. Bei mehreren wird Nigeria als Standort angegeben.
Der rechte Account »DefiantLs« soll in Japan verortet sein, »DarkMagaCoin« in Thailand, »QMegaTrump« schlicht in »Afrika«. Ihre Followerzahl: Zehntausende bis mehr als eine Million. Ein deutlich kleineres Profil mit dem Namen »Anna Braun« , das unter Posts der AfD regelmäßig gegen die Union austeilt, stammt den Angaben zufolge ebenfalls aus Nigeria. Inzwischen ist der Name des Kontos geändert, das Profilbild zeigt nun keine weiße Frau mehr, sondern einen schwarzen Mann.
Die Vorwürfe gehen aber auch in andere Richtungen. Das israelische Außenministerium etwa warf dem Journalisten Motasem Ahmed Dalloul vor, nicht wirklich aus Gaza zu berichten. In seinem Profil werde Polen als Standort angezeigt. Dalloul teilte daraufhin mehrere Videos , die ihn zwischen Trümmern und Zelten in Gaza-Stadt zeigen. Kritik gab es auch am Account »Republicans Against Trump«, der laut X in Österreich erstellt wurde .
If you still believe that I am not based in Gaza pic.twitter.com/mJUmQ8oeov
— Motasem A Dalloul (@AbujomaaGaza) November 24, 2025
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Auch das Profil einer konservativen Bauarbeiterin aus Texas verbreitete sich online schnell. Ihr Standort soll zuerst in Russland gewesen sein, anschließend in den USA. Für einige war das der Beweis, dass sie mit einem VPN den Ort geändert hat, um sich zu tarnen. Die Nutzerin behauptet aber, sie habe den ursprünglichen Screenshot selbst manipuliert – für ein Meme .
VPNs machen Probleme
Um VPNs dürfte es bei dem neuen Feature noch öfter gehen. Accounts, hinter denen X eine solche Verbindung vermutet, werden neben ihrem Standort mit einem Symbol markiert. »Einer unserer Partner hat darauf hingewiesen, dass dieses Konto möglicherweise einen Proxy verwendet hat«, heißt es dort. Die Daten seien »möglicherweise nicht korrekt«.
Deshalb gibt es teils Unterschiede zwischen den Regionen, in denen sich ein Nutzer gerade aufhält, und denen, in denen er sich erstmals registriert oder die App heruntergeladen hat. Auch nach Reisen werden Accounts offenbar teils falsch eingeordnet. SPIEGEL-Redakteur Matthias Kremp befindet sich nach einem Urlaub auf den Kapverden angeblich immer noch dort. X schreibt selbst, die Daten könnten »durch kürzlich erfolgte Reisen oder vorübergehende Umzüge beeinflusst werden«.
Politisch weniger brisante Accounts berichten ebenfalls von falschen Angaben, womöglich verursacht durch VPNs oder alte IP-Adressen. Der YouTuber Hank Green sitzt demnach in Japan, die US-Softwarefirma Avid Pro Tools in Spanien, die australische Labor-Partei in den USA.
X-Produktchef Bier selbst räumte zuvor ein, dass es durch IP-Änderungen Probleme gegeben habe . Wichtiger war ihm letztlich aber offenbar: Transparenz. Dafür lobte die Republikanerin Nikki Haley die neue Funktion, Bier repostete den Beitrag .
Es gehe um Authentizität, schrieb er . Die Frage, wie authentisch mutmaßlich aus dem Ausland gesteuerte Pro-Trump-Accounts sein können, stellt sich für ihn offenbar nicht.

