SpOn 15.01.2026
11:15 Uhr

Staatsanwaltschaft geht im Fall Liana K. von Schuldunfähigkeit des Verdächtigen aus


Er soll eine 16-Jährige vor einen Güterzug gestoßen haben: Statt einer Freiheitsstrafe strebt die Staatsanwaltschaft für den 31-jährigen Tatverdächtigen eine unbefristete Unterbringung in der forensischen Psychiatrie an.

Staatsanwaltschaft geht im Fall Liana K. von Schuldunfähigkeit des Verdächtigen aus

Im Fall des mutmaßlichen tödlichen Angriffs auf die 16-jährige Liana K. am Bahnhof in Friedland strebt die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Sicherungsverfahren gegen den mutmaßlichen Täter an. Die entsprechende Antragsschrift wegen Totschlags gegen den 31-Jährigen sei beim Landgericht Göttingen eingereicht worden, teilte die Strafverfolgungsbehörde mit.

Während die Jugendliche am 11. August 2025 auf dem Bahnsteig auf ihren Zug wartete und telefonierte, soll der tatverdächtige Iraker sie gegen einen mit Tempo 100 durchfahrenden Güterzug gestoßen haben. Das Opfer habe tödliche Verletzungen erlitten, die der 31-Jährige zumindest billigend in Kauf genommen haben soll.

Verdächtiger war ausreisepflichtig

»Aufgrund einer bei dem Beschuldigten diagnostizierten Schizophrenie soll er zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen sein«, teilten die Strafverfolger mit. Daher sei keine Anklage erhoben, sondern eine Antragsschrift im Sicherungsverfahren gestellt worden. Ein Sicherungsverfahren wird angestrebt, wenn aufgrund von Schuldunfähigkeit statt einer Freiheitsstrafe eine unbefristete Unterbringung in der forensischen Psychiatrie in Betracht kommt. Der Mann war wegen des Tatverdachts Ende August vorläufig festgenommen worden und befindet sich seitdem im Maßregelvollzugszentrum Moringen.

Mehr zum Thema

Das Mädchen war 2022 mit seiner Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet und hatte zeitweise im thüringischen Geisleden gelebt. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen und beschäftigte auch die Politik, weil der ausreisepflichtige Iraker nach den europäischen Asylregeln eigentlich schon Monate vor der Tat von Deutschland nach Litauen hätte gebracht werden sollen.

bbr/dpa/AFP