Der polnische Geheimdienst hat einen belarussischen Staatsbürger festgenommen, der für Russland und Belarus spioniert haben soll – unter anderem auch in Deutschland. Der mutmaßliche Agent ist laut Mitteilung des Inlandsgeheimdienstes ABW bereits Anfang Februar gefasst worden.
Die Ermittler werfen dem Mann Anfang vierzig vor, seit Juni 2024 in Deutschland, Polen und Litauen militärische Objekte sowie kritische Infrastruktur für den belarussischen Geheimdienst ausgespäht zu haben. Pavlov T. sammelte demnach »Informationen, zeichnete sie auf und leitete sie an seine Auftraggeber in Belarus und Russland weiter«, sagte Jacek Dobrzynski, Sprecher des polnischen Geheimdienstkoordinators.
In Deutschland, wo sich seine Ausspähversuche wohl vor allem auf Objekte im Norden konzentrierten, hielt sich der Verdächtige dem Vernehmen nach nur einige Tage auf. Nach SPIEGEL-Informationen soll T. Anfang des Jahres in Norddeutschland militärische Infrastruktur für den belarussischen KGB ausgespäht haben.
Die Festnahme ist den Angaben zufolge ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem litauischen Geheimdienst. Der Mann kam für zunächst drei Monate in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm mindestens fünf Jahre Haft.
Polen ist einer der wichtigsten politischen und militärischen Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine. Die Regierung in Warschau wirft den Geheimdiensten Russlands und seines Verbündeten Belarus vor, viele Agenten ins Land zu schicken und Saboteure anzuwerben.
Nach Angaben von Dobrzynski wurden in den vergangenen vier Jahren seit Kriegsbeginn 92 Verdächtige gefasst, denen Spionage oder Sabotage vorgeworfen wird. Darunter seien russische, belarussische, ukrainische und polnische Staatsbürger.
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