Ein Lego-Set für fast 1000 Euro, Brettspiele mit Regelwerken in Romanlänge: Das ist nichts für Kinder. Die Spielwarenbranche hat neue Kundschaft entdeckt. In vielen Märkten generieren erwachsene Spielzeugfans schon 30 Prozent der Umsätze, sagt Christian Ulrich aus dem Vorstand der Spielwarenmesse. Die Wachstumsraten seien bei Erwachsenen zudem größer als in anderen Segmenten der Branche.
Spielwaren für Jugendliche und Erwachsene seien deshalb erneut ein Schwerpunkt der Fachmesse in Nürnberg, die nun beginnt. Ulrich erklärt den Boom von Erwachsenenspielzeug mit den politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Man verzichte auf größere Anschaffungen, auf teure Urlaube. Dafür gönnt man sich kleine Belohnungen. Brettspiele, Actionfiguren zum Sammeln seien besonders gefragt.
Nicht nur in den Regalen, sondern auch im Handel könne man den Trend mittlerweile beobachten, sagt Ulrich. Statt in klassischen Spielwarengeschäften könne man das neue Publikum auch in neuen Läden ansprechen. Es gebe bereits erste Spielwarenketten wie King Jouet in Frankreich, die eigene Filialen nur für Erwachsene aufbauten.
Die Kundschaft würde einen Gegenpol zur digitalen Welt suchen, sagt der Geschäftsführer von Schmidt Spiele, Axel Kaldenhoven. »Zum anderen knüpfen viele Erwachsene bewusst an positive Kindheitserinnerungen an und Serien- und Kinofiguren finden so ihren Weg in die Wohnzimmer.« Wie wichtig die Erwachsenen als Zielgruppe inzwischen sind, kann Schmidt Spiele bei den Puzzles beziffern: Im vergangenen Jahr sei das Segment überdurchschnittlich um 19 Prozent gewachsen, sagt Kaldenhoven. Treiber seien auch die Erwachsenenpuzzles gewesen.
Es begann mit einem Geburtstagsgeschenk, heute sind selbst die Blumen im Wohnzimmer aus Lego. Lesen Sie hier das Konsumgeständnis von Verena Töpper: »Mein steinreiches Leben« .
