María del Carmen Abascal, von allen nur Maricarmen genannt, wohnte mehr als 70 Jahre lang in der Nähe des Stadtparks Retiro in Madrid. Heute können sich dort nur noch Reiche eine Wohnung leisten. Vor einigen Jahren kaufte ein Immobilienunternehmen die Wohnung der 87-Jährigen und erhöhte die Miete von 500 Euro auf mehr als das Dreifache. Die Rentnerin konnte das nicht zahlen und ging vor Gericht. Doch sie verlor, und ihre Wohnung wurde vor einigen Tagen zwangsgeräumt.
In Spanien gehen junge Menschen gegen Wohnungsnot und für die zwangsgeräumte Maricarmen auf die Straße
Foto:Javier Lizon / EPA
María del Carmen Abascal
Foto: Susana Vera / REUTERSDie Bilder der älteren Dame, wie sie auf einer Trage aus ihrer Wohnung geholt wird, gingen um die Welt. In Spanien lösten sie Massenproteste aus. Vor allem die jungen Spanierinnen und Spanier gingen für Maricarmen auf die Straße. »Wir sind alle Maricarmen« lautet das Motto der Demonstrierenden. Denn unter der extremen Wohnungsnot in Spanien leiden vor allem die jungen Menschen. »Wer keine Wohnung geerbt hat, wird aus den Zentren vertrieben, zieht in die Vorstadt oder bleibt gleich bei den Eltern wohnen. Schätzungen zufolge fehlen eine Million Wohnungen«, schreiben meine Kollegen José Bautista und Steffen Lüdke , die sich die Lage vor Ort angeschaut haben.
»Ich arbeite zwölf Stunden am Tag, nur um mir das Zimmer in meiner WG leisten zu können«, sagt eine der Demonstrantinnen in Madrid. »¡Ya basta!«, sagt sie. Es reicht. Tag für Tag wächst die Zahl der Zelte im Protestcamp, inzwischen sollen es um die 600 sein.
»¡Ya basta!«: Protestcamp in Madrid
Foto: Gabriel Luengas / Europa Press / IMAGOUnd die vielen Demonstranten haben etwas erreicht: Maricarmen darf offenbar zurück in ihre Wohnung, wie ihre Anwältin mitteilte. Man habe eine Einigung erreicht.
Und auch politisch passiert etwas: Die spanische Regierung hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket gegen die Wohnungsnot beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem ein verlängerter Schutz vor Zwangsräumungen bis 2030, eine stärkere Regulierung von Zeitmietverträgen und der Vermietung von Zimmern, ein Verbot des Erwerbs von Wohnungen durch »Geierfonds« bis 2028 sowie steuerliche Vergünstigungen und Anreize für Mieter und Vermieter. Außerdem soll der öffentliche Wohnungsbestand ausgebaut werden. Im Parlament verfehlte es am Freitag die Mehrheit. Spaniens Ministerpräsident Sánchez könnte nun vorgezogene Neuwahlen für November ansetzen. »¡Ya basta!«
Lesen Sie die ganze Geschichte meiner Kollegen José Bautista und Steffen Lüdke hier.
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Neue Pinguinart identifiziert
Forschende haben erstmals seit 100 Jahren eine neue Pinguinart gefunden. Ganz neu sind die Südöstlichen Eselspinguine nicht – sie tapsen schon seit Langem mit den anderen Eselspinguinen auf den Kerguelen, einer abgelegenen Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean, herum. Neu ist jedoch, dass Eselspinguine nicht eine große Pinguinart mit mehreren Unterarten darstellen. Tatsächlich gebe es vier eigenständige Eselspinguinarten, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bekannt waren ihrer Studie zufolge bereits der Nördliche, der Südliche und der Östliche Eselspinguin. Neu identifiziert wurde nun der Südöstliche Eselspinguin, auch Pygoscelis kerguelensis genannt. Lesen Sie die ganze Meldung hier.
Neu identifizierte Art: Eselspinguine
Foto: Joe Sohm / Newscom World / IMAGOGeorgische Anwälte erhalten Alternativen Nobelpreis
Die Anwältinnen und Anwälte der Georgian Young Lawyers’ Association (GYLA) zählen zu den bekanntesten Menschenrechtlern des Landes. Sie bieten kostenlose Rechtsberatung für diejenigen an, die unter den Repressionen der Regierung leiden, und verteidigen so die Demokratie. Die Right-Livelihood-Stiftung zeichnet sie nun mit dem Alternativen Nobelpreis aus – als erste georgische Organisation in der Geschichte des Preises. Dieser wird seit 1980 an mutige Vorkämpfer für Klima- und Umweltschutz, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden vergeben. Wer in diesem Jahr noch ausgezeichnet wurde, lesen Sie hier.
Solarstromproduktion immer höher
Bis Ende September ist in Deutschland bereits mehr Solarstrom erzeugt worden als im gesamten vergangenen Jahr. Bis zum 27. September seien 90,2 Terawattstunden Solarstrom produziert worden und damit mehr als im Gesamtjahr 2025 mit 90,0 Terawattstunden, teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mit. »Solarenergie ist längst keine Nischentechnologie mehr. Sie ist eine tragende Säule unserer Stromversorgung«, sagte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Zu dem Produktionserfolg in diesem Jahr haben die vielen neuen Anlagen, aber auch die ungewöhnlich vielen Sonnenstunden beigetragen. Lesen Sie die ganze Meldung hier.
Was gut ist – für Sie:
Lautester Vogelschrei der Welt
Sie haben sich schon immer gefragt, wer eigentlich der lauteste Vogel der Welt ist und wie der sich anhört? Dann habe ich eine gute Nachricht für Sie: Es ist nicht der Specht im Baum vor Ihrem Schlafzimmerfenster. Die zwei neuen Kandidaten für den lautesten Vogelschrei der Welt sind in Brasilien sesshaft und heißen Rotfußseriema und Nacktgesichtkotinga. Sie machen dem bisherigen Spitzenreiter Konkurrenz. Bislang galt nämlich der Einlappenkotinga als lautester Vogel der Welt. Doch nun entdeckten die Forschenden bei den anderen beiden Vögeln noch lautere Schreie: Bei der Rotfußseriema registrierten die Forscher den im Durchschnitt über 20 Millisekunden gemessenen lautesten Ruf mit etwa 121 Dezibel. Beim Nacktgesichtkotinga stellten sie den lautesten Einzelruf fest – mit fast 131 Dezibel. »Im Alltag lässt sich das am ehesten mit einem Presslufthammer vergleichen«, sagte einer der Forscher. Und die nächste gute Nachricht für Sie: Sie können sich die Schreie hier anhören.
Kann laut werden: Die Rotfußseriema
Foto: Wim van den Heever / Nature Picture Library / IMAGO»Game of Thrones« geht weiter
Fans der Erfolgsserie »Game of Thrones« können sich freuen: 2029 soll ein Kinofilm auf die Leinwand kommen. »Game of Thrones: Aegon’s Conquest« spielt Insidern zufolge mehrere Jahrhunderte vor den Geschehnissen von »Game of Thrones«. Es soll um die Eroberung von Westeros durch Targaryen-König Aegon I. gehen: Der Begründer der Targaryen-Dynastie in den Sieben Königslanden vereinte Westeros mithilfe seiner Drachen Balerion, Vhagar und Meraxes. Und da der Kinostart noch ein paar Jahre in der Zukunft liegt, können Sie vorher in Ruhe noch mal alle Staffeln der Serie schauen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Tipps und Tricks fürs E-Auto-Laden
Wenn Sie ein E-Auto fahren, bleiben Sie aktuell verschont von hohen Benzinpreisen. Doch ich habe noch eine gute Nachricht für Sie: Mit einigen Tipps und Tricks können Sie beim Laden Ihres Autos noch einiges an Nerven, Zeit und Geld sparen! So helfen etwa Vergleichs-Apps, die günstigsten Säulen zu finden. Auch Abomodelle können das Portemonnaie entlasten. Es kann sich auch lohnen, nach Ladesäulen bei größeren Supermarktketten zu schauen. Dort zahlt man oft 29 Cent pro Kilowattstunde fürs langsamere AC-Laden und 44 bis 47 Cent beim DC-Laden. Gerade per DC kann man in der Parkzeit eines Supermarkteinkaufs schon recht viel Strom in den Akku packen. Lesen Sie alle Tipps hier.
Und sonst?
Entstehen manchmal die absurdesten und schönsten Geschichten aus einer Notlösung heraus. So ist es auch bei der Straßenrad-WM in Montreal geschehen. Zwei Slowaken fielen verletzt aus, ein Dritter erhielt keine Erlaubnis seines Teams. Hätte der Verband keinen Starter gestellt, hätte das Konsequenzen für die Olympiaqualifikation der Slowakei haben können. Also musste kurzerhand der Masseur des Teams ins kalte Wasser springen. »Das ist der Traum eines jeden Fahrers. Und ich bin nur ein Masseur. Das ist verrückt«, sagte der 28-jährige Vladimir Kováčik. »Vor ein paar Tagen haben wir das beschlossen«, sagte Kováčik vor dem 273,4-Kilometer-Rennen. Und: »Es ist das Rennen meines Lebens. Ich mache das für den slowakischen Radsport.«
Ein wenig Sorge hatte er vor dem Einsatz offenbar schon: »Form? Es gibt keine Form. Ich trainiere ein wenig, aber wie ein Amateur.« In den sozialen Medien wurde der Masseur als »Held« und »Legende« gefeiert. Mehr dazu lesen Sie hier.
Vom Masseur zum Radprofi: Vladimir Kováčik
Foto:Edouard Desroches / EPA
100 Kilometer hat er mit dem Feld mitgehalten, dann wurde er abgehängt und schied aus. Doch für seine Teamkameraden war allein sein Start wichtig. Umso beeindruckender, wie lang Kováčik mit den Profis durchgehalten hat.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Und wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.
Herzliche Grüße
Ihre Charlotte Lüder, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL
