Humanoide Roboter, vernetzte Kühlschränke und Legosteine – in vielem davon steckt künstliche Intelligenz: In Las Vegas präsentieren Technologieunternehmen dieser Tage solche Neuheiten bei der Messe CES. Wie immer zeigen sie auch, wie sie Autos smarter machen wollen. Hier der Überblick.
Sony Honda: Smarte Elektroautos
Sony Honda Mobility – das 2022 gegründete Gemeinschaftsunternehmen des Elektronikkonzerns Sony und des Autoherstellers Honda – nutzte die CES schon öfter, um die Erwartung seines Elektroautos anzuheizen. 2023 zeigten die Partner einen ersten Prototyp, im vergangenen Jahr enthüllten sie das Serienmodell namens Afeela1. Dieses solle noch 2026 zu Preisen ab 89.900 Dollar an Kunden in Kalifornien ausgeliefert werden, hieß es nun, 2027 solle der Verkauf in Arizona und in Japan starten.
Aufbauend auf dem Konzept des Afeela1 präsentierte CEO Yasuhide Mizuno einen weiteren Prototyp, den das Joint Venture einfach Afeela Prototype 2026 nennt. Das Serienmodell auf dieser Basis soll 2028 in den USA auf den Markt kommen.
Prototyp des Joint Ventures Sony Honda Mobility: Durchdigitalisiertes Fahrzeug für die autonome Zukunft
Foto: John Locher / APBeide Modelle positioniert Sony Honda Mobility als durchdigitalisierte Fahrzeuge für die autonome Zukunft, angetrieben vom Assistenzsystem Afeela Intelligent Drive, das künftig bis auf Stufe vier (von fünf) des automatisierten und autonomen Fahrens weiterentwickelt werden soll. Dies entspräche vollautomatisiertem Fahren, bei dem das Auto in allen Fahrsituationen ohne den Fahrer auskommt. Im Afeela1 sollen dazu 18 Kameras sowie ein Lidarsensor, neun Radar- und zwölf Ultraschallsensoren stecken – eine konventionellere Herangehensweise als etwa die von Tesla, das sein Fahrassistenzsystem nur auf Kameras stützt.
Die Kameras und Sensoren sollen einen 360-Grad-Rundumblick schaffen und die Umgebung in Echtzeit auf dem Borddisplay als 3D-Grafik anzeigen. Außerdem kündigt Sony Honda Mobility einen KI-Assistenten an, der »hochgradig personalisierte, natürliche Dialogergebnisse« bieten und so zum »Reisebegleiter« werden soll – beispielsweise soll er die Fahrerin auf ihrem morgendlichen Arbeitsweg begrüßen, sich im Stau mit ihr unterhalten und auf Witze reagieren.
Bosch: Cockpit auf Grundlage zweier KI-Modelle
Auch mit Neuheiten anderer Hersteller kommt mehr KI ins Auto. Der Autozulieferer Bosch kündigte ein KI-basiertes Fahrzeug-Cockpit an. Darin sollen zwei Modelle mit künstlicher Intelligenz stecken: Ein Sprachmodell soll einen Assistenten antreiben, mit dem sich der Fahrer wie mit einer realen Person unterhalten kann. Ein visuelles Modell soll die Informationen aus Kameras und Sensoren sowohl im Fahrzeuginneren als auch in der Umgebung draußen interpretieren. Dadurch soll das smarte System etwa automatisch am Zielort nach einem Parkplatz suchen.
»Bei diesem KI-Cockpit habe ich es mit Algorithmen zu tun, die sehen und hören können«, sagte Bosch-Geschäftsführerin Tanja Rückert der Nachrichtenagentur dpa in Las Vegas. »Und ich kann mich mit dem System wie mit einer Person unterhalten. Damit wird das Cockpit zu meinem personalisierten Raum. Das ist eine ganz andere Art, Auto zu fahren.«
Bosch entwickelte das Cockpit gemeinsam mit Autoherstellern. Bei welchem Autoproduzenten es aber zuerst zum Einsatz kommen wird, wollte die Managerin nicht sagen.
Nvidia: KI-Power fürs autonome Fahren
Führend bei künstlicher Intelligenz ist der Chipriese Nvidia – und der will im Geschäft mit selbstfahrenden Autos mitmischen. Gemeinsam mit einem Partner will Nvidia im kommenden Jahr einen Robotaxi-Dienst starten, kündigte das Unternehmen nun an.
Mit KI ausgestattete Autos sollen Verkehrssituationen wie ein Mensch am Steuer analysieren und Entscheidungen treffen können, versprach CEO Jensen Huang, er bezeichnete dies als »ChatGPT-Moment für physische KI«. Ziel ist es, mithilfe der KI-Plattform namens Alpamayo künftig autonomes Fahren mit Level 4 zu ermöglichen.
Nvidia-CEO Jensen Huang: »ChatGPT-Moment für physische KI«
Foto: John Locher / AP / dpaBei Robotaxi-Diensten führt bisher mit Abstand die Google-Schwester Waymo, die bisher mehr als 3000 fahrerlose Elektroautos der Marke Jaguar in fünf US-Städten fahren lässt. In diesem Jahr soll der Betrieb auf 20 weitere Städte ausgedehnt werden, darunter sind London und Tokio. In Austin, Texas, lässt Tesla erste Robotaxis fahren, in China führt der Dienst Apollo Go des Konzerns Baidu.
Die Nvidia-Technik steckt bereits im neuen Mercedes CLA, der in den USA im ersten Quartal und in Europa im zweiten Quartal auf den Markt kommen soll. Sie ermöglicht dabei autonomes Fahren auf einem erweiterten Level 2, als Level 2++ bezeichnet, sowie auf Level 3. Bei Level 2 muss der Fahrer jederzeit bereit sein, um wieder die Kontrolle zu übernehmen, bei Level 3 darf er seine Aufmerksamkeit abwenden. Lesen Sie hier unsere Testfahrt mit dem Level-3-System von Mercedes.

