SpOn 22.11.2025
07:48 Uhr

So verzerrt sind die Verkaufszahlen von Elektroautos


Mehr als 18 Prozent der neu zugelassenen Autos in Deutschland fahren elektrisch. Doch die guten Zahlen kaschieren wohl die eher schleppende Nachfrage der Kunden. Die Hersteller wenden einen Trick an.

So verzerrt sind die Verkaufszahlen von Elektroautos

Die aktuelle Nachfrage nach Elektroautos ist wohl geringer, als es die Zulassungszahlen vermuten lassen würden. Denn ein hoher Anteil der neu zugelassenen Elektroautos wird offenbar durch sogenannte Eigenzulassungen auf die Autobauer selbst und Autohändler in den Markt gedrückt – um dann später mit hohen Abschlägen verkauft zu werden.

In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres war es fast jedes vierte neu zugelassene, rein elektronisch angetriebene Fahrzeug. Das gängige Kürzel dafür ist BEV und steht für »Battery Electric Vehicle«. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor. Vor zwei Jahren war es nur jeder Sechste. Das drückt auch auf die Gebrauchtwagenpreise.

Mehr als 100.000 Eigenzulassungen

Thomas Peckruhn, der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sieht die steigenden Eigenzulassungs-Zahlen als deutliches Warnsignal. Der Markt schöpfe derzeit nicht aus einer echten Kundennachfrage, sondern werde »vor allem durch künstliche Impulse der Hersteller und Händler getragen«. Wenn ein Viertel der Neuzulassungen auf eigene Rechnung erfolge, zeige das, »wie verhalten die Privatkunden und Gewerbekunden tatsächlich unterwegs sind – insbesondere bei Elektroautos.« Die Wachstumsraten der Elektromobilität seien daher »stark überzeichnet«.

Konkret gab es im laufenden Jahr bisher 102.520 BEV-Eigenzulassungen. In den ersten zehn Monaten 2024 waren es 67.895, im Vergleichszeitraum 2023 – damals galt noch der Umweltbonus – laut KBA 70.313. Der Anstieg in den vergangenen beiden Jahre geht dabei vorwiegend auf die Autohersteller zurück, die ihre Eigenzulassungen um das 2,5-fache steigerten.

Der Elektroautoanteil an den Fahrzeugzulassungen insgesamt liegt im laufenden Jahr bei 18,4 Prozent. Das ist damit mehr als die 13,3 Prozent aus dem Vergleichszeitraum 2024 und sogar besser als die 18,0 Prozent im Jahr 2023, als noch der Umweltbonus galt.

Mehr zum Thema

Eigenzulassungen werden von Handel und Herstellern typischerweise genutzt, um Absatzziele trotz schwacher Nachfrage zu erreichen. Die Autos kommen dann meist relativ schnell als Kurzzulassungen oder als junge Gebrauchtwagen mit deutlichen Preisabschlägen auf den Markt. Das hat einen für viele Kunden angenehmen, für die Branche aber schwierigen Nebeneffekt, denn diese Autos drücken das Preisniveau im Gebrauchtwagensegment.

Hohe Preisabschläge

Dabei sind die Gebrauchtwagenpreise für Elektroautos ohnehin schon unter Druck, wie Zahlen des Marktbeobachters DAT zeigen. Der sogenannte Restwert, der anzeigt, wie viel ein Auto mit typischer Laufleistung drei Jahre nach Kauf im Vergleich zum ursprünglichen Listenpreis noch kostet, lag für Elektroautos im Oktober im Schnitt bei 48,8 Prozent. Vor zwei Jahren waren es noch 58,1 Prozent. Bei Verbrennern sind die Restwerte zuletzt sehr viel langsamer gesunken und mit aktuell 63 Prozent für Benziner und 61,3 Prozent für Diesel auch weit höher.

Für Neuwagenkunden kann das allerdings auch eine schlechte Nachricht sein: Niedrige Restwerte sind in der Regel schlecht für die Leasingraten. Allerdings sind auch die Preise für neue Elektroautos zuletzt unter Druck geraten. Die regelmäßige Rabattanalyse des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer zeigt im Jahresverlauf deutlich steigende Rabattniveaus.

Dass die Elektromobilität bei den Kunden bisher nur teilweise zündet, liegt dem ZDK-Präsidenten zufolge nicht am Preis. »Hauptursache der schleppenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ist nicht der hohe Anschaffungspreis, sondern die nach wie vor zu hohen Ladekosten sowie die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur in Wohngebieten«, betont Peckruhn. Auch, weil das Angebot an bezahlbaren kleinen und mittelgroßen BEVs stetig größer werde.

beb/dpa