SpOn 05.03.2026
08:31 Uhr

So knapp sind Eier vor Ostern


Es werden weniger Eier produziert als nachgefragt, die Vogelgrippe traf zusätzlich einige Bestände. Eine Krise sehen Marktexperten nicht, derweil breitet sich eine weitere Krankheit auf Geflügelhöfen aus.

So knapp sind Eier vor Ostern

Die Eierregale in Supermärkten und Discountern sind derzeit teils nicht so gut gefüllt wie gewohnt. Einzelne Sorten fehlen, die Auswahl ist mancherorts eingeschränkt.

Die Branche spricht angesichts dessen von einer angespannten, aber stabilen Lage: »Die Situation bleibt aufgrund der Vogelgrippe für die gesamte Branche herausfordernd«, sagt ein Sprecher der Rewe-Gruppe. Man stehe in engem Austausch mit Lieferanten und sei flexibel aufgestellt, um die Versorgung zu gewährleisten. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels erklärte, die Versorgung sei wieder stabil.

Auch Marktexperten sehen keine Krise. »Es gibt keinen Notstand, aber eine Eierknappheit«, sagt Margit Beck vom Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG). »Die Regale sind nicht leer, man sieht aber Lücken. Teilweise ist die Auswahl kleiner.« Grund dafür sei auch die außerordentlich hohe Nachfrage. Zu Ostern könne es schwieriger werden, weil mehr Eier gekauft werden.

Ähnlich ordnet der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick, die Situation ein. Der Markt sei nach wie vor sehr knapp versorgt, aber er sei versorgt. Zusätzlichen Druck erzeugten saisonale Effekte: Vor Ostern kaufen demnach auch Färbereien große Mengen Eier, die dem Markt vorübergehend fehlen. Einzelne Sortierungen, also zum Beispiel je nach Haltungsform und Größe, könnten daher auch einmal nicht erhältlich sein. Gravierende Engpässe könne er aber nicht feststellen, sagte er.

Newcastle-Krankheit befällt Betriebe

Goldnick hatte zuletzt auch vor steigenden Preisen gewarnt , die hohen Kosten belasteten die Produzenten. Beck nannte den gestiegenen Mindestlohn, höhere Mautgebühren und die Energiekosten als Kostentreiber. Hinzu kommen mancherorts nun auch noch Kosten durch eine Tierkrankheit: Die Newcastle-Krankheit breitet sich wieder auf Geflügelhöfen aus, bislang in Brandenburg und Bayern. Bis Mittwochvormittag wurden laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) rund 125.000 Tiere vorsorglich getötet.

Die Behörden sehen in den hierzulande ersten Ausbrüchen der Krankheit seit Jahrzehnten eine erhebliche Gefahr. »Die Aufmerksamkeit sollte unbedingt sehr hochgehalten werden«, teilte ein FLI-Sprecher. »In den Betrieben sollte ein besonderes Augenmerk auf einen streng kontrollierten Personen- und Warenverkehr gelegt werden. Hinzu kommen neben Pflichtimpfungen alle Maßnahmen der Früherkennung wie das sofortige Testen kranker oder verendeter Tiere.«

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Wegen der klassischen Vogelgrippe wiederum mussten vergangenes Jahr mehrere Hunderttausend Tiere gekeult werden. Der Wiederaufbau der Bestände braucht Zeit. Da der Lebensmittelhandel bevorzugt bedient wird, sind Gastronomie und verarbeitende Industrie stärker von der Knappheit betroffen. »Da wird schon mal eine Rezeptur gestreckt und ein Ei weggelassen, weil Eier schwerer zu bekommen sind«, sagt Beck.

Das Angebot ist auch durch Veränderungen in der Haltungsstruktur begrenzt. Ende 2025 gingen die letzten Betriebe mit Kleingruppenhaltung aus der Produktion. Diese Eier waren vor allem für die verarbeitende Industrie wichtig. Die fehlenden Mengen müssen ersetzt werden, wie Charlotte Wilmes von der Landwirtschaftskammer NRW sagt.

Zwar wurden der MEG zufolge 2025 rund 0,5 Prozent mehr Eier produziert. Die Nachfrage ist aber noch stärker gestiegen. Das wirkt sich auf die Preise aus: Vergangenes Jahr zahlten Kunden im Geschäft im Schnitt 2,02 Euro für zehn Eier aus Bodenhaltung. Derzeit kostet die günstigste Packung vielerorts 2,49 Euro.

Höhere Preise schrecken Verbraucher nicht unbedingt ab. Beck: »Im Vergleich zu anderen Eiweißlieferanten sind Eier immer noch günstig.«

apr/dpa