SpOn 20.11.2025
18:07 Uhr

Skispringerin Selina Freitag im Kinder-Interview: »Ich bin in eine weiße Nebelwand gesprungen«


Selina Freitag zählt zu den besten Skispringerinnen der Welt. Hier spricht sie über einen nervenaufreibenden Sprung und ihre Ziele bei den Olympischen Winterspielen.

Skispringerin Selina Freitag im Kinder-Interview: »Ich bin in eine weiße Nebelwand gesprungen«

DEIN SPIEGEL: Wie fühlt es sich an, mit Ski an den Füßen durch die Luft zu fliegen?

Freitag: Das ist ein Gefühl, das man mit nichts anderem vergleichen kann. Man fliegt, ist mehrere Sekunden in der Luft, es ist einfach schön.

DEIN SPIEGEL: Ist das immer so?

Freitag: Nein, leider nicht. Es gibt zwei Arten von Sprüngen. Wenn alles passt, fahre ich durch die Anlaufspur, springe im perfekten Moment ab und merke sofort: Das wird ein super Sprung. Ich kann das genießen, dann ist es unbeschreiblich schön zu fliegen.

DEIN SPIEGEL: Und wenn du keinen perfekten Sprung erwischst?

Freitag: Wenn ich den Moment des Absprungs verpasse, merke ich sofort: Der Sprung geht nicht weit. Trotzdem muss man versuchen, so weit zu fliegen wie möglich. Wenn man schon in der Luft weiß, dass man kein gutes Ergebnis holen wird, sinkt der Spaßfaktor allerdings.

Kinderreporterin Lea, 12, und Selina Freitag, 24, schauten sich die Schanze in Oberstdorf an. Lea ist großer Skisprungfan. Sie guckt Skispringen im Fernsehen und war mit ihren Eltern sogar schon bei Wettkämpfen an der Schanze. Lea besucht die 6. Klasse des Goethe-Gymnasiums in Kassel, ihre Lieblingsfächer sind Deutsch und natürlich Sport, am liebsten turnt sie. Das Interview in Oberstdorf führte Lea allein, weil der zweite Kinderreporter wegen einer Erkältung nicht mitkommen konnte.

Kinderreporterin Lea, 12, und Selina Freitag, 24, schauten sich die Schanze in Oberstdorf an. Lea ist großer Skisprungfan. Sie guckt Skispringen im Fernsehen und war mit ihren Eltern sogar schon bei Wettkämpfen an der Schanze. Lea besucht die 6. Klasse des Goethe-Gymnasiums in Kassel, ihre Lieblingsfächer sind Deutsch und natürlich Sport, am liebsten turnt sie. Das Interview in Oberstdorf führte Lea allein, weil der zweite Kinderreporter wegen einer Erkältung nicht mitkommen konnte.

Foto: Dominik Berchtold / DEIN SPIEGEL
Hier sieht man Lea und Selina neben der Anlaufspur. In der fahren die Athletinnen und bereiten ihren Absprung vor.

Hier sieht man Lea und Selina neben der Anlaufspur. In der fahren die Athletinnen und bereiten ihren Absprung vor.

Foto: Dominik Berchtold / DEIN SPIEGEL

DEIN SPIEGEL: Bist du aufgeregt vor deinen Sprüngen?

Freitag: Meistens nicht, ich mache das schon ein paar Jahre. Nur wenn ich im Training vor dem Wettkampf schlecht war, bin ich etwas nervös, wenn ich oben auf dem Absprungbalken sitze. Dann geht das Kopfkino los: Was, wenn ich jetzt wieder nicht so weit springe? Aber das kann ich gut ausblenden. Einmal jedoch war ich richtig angespannt.

DEIN SPIEGEL: Wann war das?

Freitag: Bei meinem ersten Skifliegen.

DEIN SPIEGEL: Skifliegen ist wie Skispringen, aber von größeren Schanzen?

Freitag: Von viel größeren! Beim Skispringen erreichen wir Weiten von ungefähr 120 bis 130 Metern, beim Skifliegen kann man über 200 Meter segeln. Auch die Geschwindigkeit bei der Anfahrt ist viel höher, bei einer Skiflugschanze fahren wir mit 104 Kilo­metern pro Stunde durch die Spur. Das ist irre schnell. Lange durften nur Männer skifliegen, weil es hieß, es sei zu gefährlich für Frauen. Das stimmt aber nicht. Seit zwei Jahren fliegen Frauen von den gleichen Megaschanzen wie Männer, und es hat sich gezeigt: Wir Skispringerinnen können das genauso gut.

DEIN SPIEGEL

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DEIN SPIEGEL: Warum warst du nervös beim ersten Mal?

Freitag: Gar nicht, weil die Schanze so groß war, sondern weil es neblig war. Wir sind in Norwegen gesprungen, auf einer Schanze, die Monsterbakken heißt. Ich saß oben, sah nach unten, konnte nichts erkennen. Keine Zuschauer, nichts von der Umgebung. Ich war so gut wie blind.

DEIN SPIEGEL: Und du bist trotzdem geflogen?

Freitag: Wir bekommen ein Zeichen vom Trainer, wann wir losfahren sollen. Die Trainer stehen auf einem Turm neben der Schanze. Ich hab nicht mal meinen Trainer gesehen, aber irgendwann gehört, dass ich losfahren soll. Also habe ich das gemacht und bin in eine weiße Nebelwand gesprungen. Es hat geklappt, und vielleicht war der Nebel praktisch, denn so konnte ich ver­gessen, wie groß die Schanze ist.

Selina zeigte Lea auch ihre mehr als 2,20 Meter langen Skisprungski. Lange Ski bilden eine große Fläche und sorgen für viel Auftrieb in der Luft.

Selina zeigte Lea auch ihre mehr als 2,20 Meter langen Skisprungski. Lange Ski bilden eine große Fläche und sorgen für viel Auftrieb in der Luft.

Foto: Dominik Berchtold / DEIN SPIEGEL

DEIN SPIEGEL: Wie wurdest du Skispringerin?

Freitag: Das liegt in der Familie. Mein Vater war Skispringer, mein Bruder auch. Ich war als Kind schon an den Schanzen dabei.

DEIN SPIEGEL: Wann bist du zum ersten Mal gesprungen?

Freitag: Mit sechs Jahren. Von einer kleinen Schanze, auf der man mehr hüpft, als dass man fliegt. Da gehen die Sprünge nur ein paar Meter, aber jeder fängt mal klein an.

Selina Freitag hatte eine sehr erfolgreiche Vorsaison, und nach starken Sprüngen wird gefeiert. Hier sieht man sie mit ihren Teamkolleginnen und Trainern beim Jubeln, kurz zuvor war Selina Zweite geworden.

Selina Freitag hatte eine sehr erfolgreiche Vorsaison, und nach starken Sprüngen wird gefeiert. Hier sieht man sie mit ihren Teamkolleginnen und Trainern beim Jubeln, kurz zuvor war Selina Zweite geworden.

Foto: Dominik Berchtold
Hier sieht man Selina, wie sie ohne Ski an den Füßen ihren Sprung übt.

Hier sieht man Selina, wie sie ohne Ski an den Füßen ihren Sprung übt.

Foto: Dominik Berchtold

DEIN SPIEGEL: Im Februar sind die Olympischen Winterspiele in Italien. Du warst im vergangenen Winter die zweitbeste Skispringerin der Welt. Wie bereitest du dich auf die Winterspiele vor?

Freitag: Olympische Spiele sind das Größte, darauf fiebert man als Sportlerin hin. Aber weil es ein so wichtiges Event ist, versuche ich, ruhig zu bleiben und es nicht größer zu machen, als es ohnehin schon ist. Ich nehme mir vor, das Skispringen bei Olympia wie einen normalen Wettkampf zu sehen. Wenn man gewinnen möchte, muss vieles stimmen. Man hat zwei Sprünge, einen im ersten Durchgang, einen im zweiten. Mehr nicht. Man darf sich keine Fehler leisten.

DEIN SPIEGEL: Wie schafft man es, da in Topform zu sein?

Freitag: Man muss im Sommer an der Technik feilen, und dann hilft es, wenn man in den Weltcups gut ist. Bin ich da er­folgreich, dann steigt mein Selbstvertrauen. Ich muss vor den Olympischen Spielen in Form sein und bei jedem Sprung meine beste Leistung abrufen. Dann komme ich in den Flow.

DEIN SPIEGEL: Was meinst du mit Flow?

Freitag: Dass man voller Selbstvertrauen springt und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Von nichts und niemandem. Beim Skispringen kann viel passieren. Kommt der Wind von vorn, ist das gut, er trägt uns. Kommt er von hinten, ist das schlecht, weil er schneller zum Boden drückt. Manchmal kommt der Wind von der Seite, das kann einen auch aus dem Konzept bringen. Aber wenn man im Flow ist, kann man das ausblenden und auch bei schlechten Bedingungen weit springen. Das ist mein Ziel. Und wenn mir das gelingt, kann ich bei Olympia um die Medaillen springen.

In der DEIN-SPIEGEL-Ausgabe Nr. 3/2013 erzählte Selina von ihrem Wunsch, einmal Skispringerin zu werden. Mittlerweile ist sie eine der besten der Welt.

In der DEIN-SPIEGEL-Ausgabe Nr. 3/2013 erzählte Selina von ihrem Wunsch, einmal Skispringerin zu werden. Mittlerweile ist sie eine der besten der Welt.

Foto: DEIN SPIEGEL

DEIN SPIEGEL: Du hast in DEIN SPIEGEL vor zwölf Jahren gesagt, dass dein Bruder dir bei­gebracht hat, Gitarre zu spielen. Spielst du noch?

Freitag: Leider nicht mehr so häufig wie damals. Aber ich kann es noch. Ich nutze das Gitarrespielen, um den Kopf frei zu kriegen und als Ablenkung vom Sport. Wir sind viel unterwegs, die Weltcup-Saison startet im November und endet im März, in dieser Zeit sind wir fast jedes Wochenende woanders. Da tut es gut, wenn man im Zimmer sitzt und mit eigener Musik relaxen kann.

DEIN SPIEGEL – das Nachrichten-Magazin für Kinder
Foto: DEIN SPIEGEL

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