SpOn 25.01.2026
16:05 Uhr

Ski Alpin: Linus Straßer wird Dritter in Kitzbühel, Manuel Feller gewinnt


Linus Straßer ging vor der Saison ins Risiko und holte sich einen neuen Ausrüster. Warum? »Raus aus der Komfortzone.« In Kitzbühel belohnt er sich. Manuel Feller erlöst eine ganze Skination und weint hemmungslos.

Ski Alpin: Linus Straßer wird Dritter in Kitzbühel, Manuel Feller gewinnt

Endlich: Manuel Feller wuchs in Fieberbrunn auf, rund 20 Kilometer von Kitzbühel entfernt. Als Kind trainierte er auf dem Ganslernhang, als Jugendlicher, als Erwachsener sowieso. Aber dort gewinnen? Das war ihm nie vergönnt. Etliche Male trat er an, er führte schon mal, meistens versagten ihm die Nerven. In dieser Saison rechnete niemand mit Feller, nicht einmal er selbst. Und dann? Fährt er einen grundsoliden ersten Durchgang – und katapultiert sich im Finale vor den tobenden Heimfans ganz nach vorn.

Ergebnis: Feller gewinnt am Ganslernhang in Kitzbühel vor dem Schweizer Loïc Meillard, der nach dem ersten Durchgang geführt hatte, und Linus Straßer aus Deutschland.

Tränen ohne Ende: Als klar war, dass Meillard Feller nicht mehr gefährden kann, kullerten bei Feller die Tränen. Er saß auf dem Stuhl des Führenden, wurde interviewt, mehrfach brach seine Stimme. »Die härteste Saison meines Lebens«, sagte er, »vielleicht die härteste Zeit.« Feller kam in dieser Saison gar nicht zurecht, schied aus, baute Fehler ein, fuhr hinterher. »Ich dachte mehrfach daran, aufzuhören«, gestand er. Aber er machte weiter. »Ich danke allen, die an mich geglaubt haben. Und ich danke mir, dass ich an mich geglaubt habe.«

Bei Manuel Feller musste einiges raus

Bei Manuel Feller musste einiges raus

Foto: Anna Szilagyi / EPA

Böse Presse: »Debakel in Kitzbühel: Historisch schlecht! Die ÖSV-Misere geht weiter«, titelte die »Krone«, die anderen Blätter reihten sich nahtlos ein. Dass der beste Österreicher die Hahnenkamm-Abfahrt am Samstag auf Rang 13 abschloss (und damit schlechter abschnitt als das deutsche Team, aus dem Luis Vogt Achter wurde), ist eine mittelschwere Katastrophe im kleinen, Ski-verrückten Alpenland. Vergleichbar mit einer deutschen Fußball-Pleite gegen, sagen wir mal, Österreich. Die Misere der Abfahrer wird Feller nicht lösen, aber die Hoffnung auf ein erfolgreiches Olympia ist zurück.

Der nächste Rückkehrer: Was nicht nur für Feller, 33, gilt, sondern auch für seinen guten Spezi Linus Straßer. Die beiden kennen sich seit Kindertagen, Straßer verbrachte als kleiner Bub viel Zeit in Kirchberg, einem Nachbarort von Kitzbühel. Mittlerweile wohnt er dort, lange aber scheiterte auch er am Ganslernhang, ehe er 2024 dort triumphierte . In diesem Jahr nun wurde der 33-Jährige Dritter, wie vor zwei Jahren riss er sich den Helm vom Kopf und jubelte. Mit diesem Triumph vor 21.000 Fans war nicht zu rechnen.

Straßer auf dem Weg ins Ziel

Straßer auf dem Weg ins Ziel

Foto: Anna Szilagyi / EPA

Großes Risiko: Denn auch Straßer fuhr diesen Winter meist nur hinterher; er war besser als Feller, aber nicht ansatzweise ein Kandidat aufs Podest. Straßer fand nicht in den Flow, was auch an einem riskanten Manöver lag: Er wechselte vor der Saison den Skihersteller. Das klingt banal, ist aber ein riesiger Schritt. Straßer begründete den Wechsel mit »einem Schritt raus aus der Komfortzone«. Doch die Umstellung ist gewaltig. Es geht nicht nur um neue Ski und Schuhe. Es geht um Bindungen und Bindungsplatten, um Unterkantenschliff und das Canting, also die seitliche Einstellung des Skischuhs.

Die Zeit wurde knapp: Straßer wusste, was auf ihn zukam. Aber dass es so schwierig wird, gestand er vor wenigen Tagen bei einem Medientermin, überraschte ihn doch. »Es fehlte einfach die Zeit«, sagte er, das Herbsttraining fiel wegen Schneemangel kürzer aus. »Aber jetzt haben wir etwas gefunden, das funktioniert.« Was genau, das wollte Straßer nicht verraten – Skisport ist auch eine Materialschlacht. Aber: Offenbar funktioniert es wirklich. Im zweiten Durchgang tanzte Straßer über die schwierigen Übergänge des Ganslernhangs wie zu besten Zeiten, die Ski machten, was er wollte. Womöglich zahlt sich Straßers Risiko gerade noch rechtzeitig vor den Olympischen Spielen aus, die im Februar beginnen.

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Bart ab: Schöner Nebeneffekt für Straßer: »Ich kann mich jetzt endlich rasieren. Ich habe mir selber das Ziel gesetzt: Ich rasiere mich erst, wenn ich wieder auf dem verdammten Podium stehe.«

FC Bayern Kitzbühel: München und Kitzbühel – wenn man durch die beiden Städte geht und dem Champagner schlürfenden Publikum in seinen Pelzmänteln zuschaut, man wüsste nicht, wo man gerade ist. Es sind ja auch wirklich viele Münchner hier, Kitzbühel liegt ja praktisch vor der Haustür. Da ist es fast logisch, dass auch etwas Bayern-Prominenz regelmäßig an den Ganslernhang kommt. In diesem Jahr: Konrad Laimer (immerhin Österreicher, laut eigenen Angaben aber derzeit kein Skifahrer), Manuel Neuer (war auf jeden Fall mal Skifahrer), Joshua Kimmich (könnte mit seinem Ehrgeiz bestimmt ein guter Skifahrer werden) und natürlich Ex-Skirennfahrer, Ex-Bayer und Felix-Neureuther-Spezi Bastian Schweinsteiger.

Weiße Mütze wie DJ Ötzi: Manuel Neuer in Kitzbühel

Weiße Mütze wie DJ Ötzi: Manuel Neuer in Kitzbühel

Foto: Anna Szilagyi / EPA

So geht’s weiter: Am Dienstag wartet in Schladming der Nacht-Riesenslalom, tags darauf der Nachtslalom. Stimmungsvolle Rennen, aber natürlich werfen die Olympischen Spiele ihre Schatten voraus. Dann wieder mit zwei Medaillenanwärtern mehr im umkämpften Männer-Slalom.