Die Schufa hat angekündigt, ihren sogenannten Schufa-Score zu verändern. Das berichten unter anderem die Tagesschau und die »Süddeutsche Zeitung«. Demnach soll künftig aus zwölf Kriterien statt 250 ein Score von 100 bis 999 errechnet werden, der das Zahlungsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern vorhersagt. Je höher die Gesamtpunktzahl, umso höher wird die Bonität des jeweiligen Verbrauchers eingeschätzt – also die Wahrscheinlichkeit, ob Rechnungen pünktlich bezahlt und Kredite zuverlässig getilgt werden.
Zu den zwölf Kriterien gehören etwa, wie lange man eine Kreditkarte oder ein Girokonto schon nutzt, und ob es Negativeinträge gibt, weil Rechnungen auch nach mehrmaliger Mahnung nicht bezahlt wurden.
Ab März 2026 sollen Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Score dann auch kostenlos einsehen können. Dafür muss man sich für einen Schufa-Account registrieren, heißt es von der Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden. Bereits ab dem 3. Dezember sollen Verbraucherinnen und Verbraucher laut »Süddeutscher Zeitung« die gespeicherten Daten direkt bei der Schufa digital einsehen können mit dem sogenannten Dateneinblick, was bisher nur mit der App der Tochterfirma Bonify möglich war.
»Bezahlpflichtige Zusatzangebote« in den neuen Accounts
Auf Nachfrage der »Süddeutschen Zeitung« hat die Schufa bestätigt, dass Services aus den »Meine Schufa-Abonnements« sowie »bezahlpflichtige Zusatzangebote« später in den neuen Schufa-Account integriert werden. Aktuell verkauft die Schufa ein Abonnement für etwa fünf Euro monatlich für Zusatzfunktionen – etwa eine Benachrichtigung, welche Unternehmen Anfragen zu einem selbst gestellt haben. Empfehlungen für Kredite, Strom- oder Gastarife, mit denen die Schufa in der App Bonify Einnahmen generiert, solle es jedoch nicht geben, schreibt die »Süddeutsche Zeitung«. Mit der 2022 erworbenen App Bonify wollte die Schufa bereits transparenter wirken: Verbraucherinnen und Verbraucher sollten ihren Basisscore anzeigen können, wenn sie der Auskunftei im Gegenzug Einblick in ihre Kontoauszüge geben. Der Start ging damals wegen einer Sicherheitslücke jedoch schief.
Verbraucherschützer fordern seit Langem mehr Transparenz von der Schufa. Die Schufa begründete ihre bisherige Zurückhaltung damit, dass der Score manipuliert werden könnte, wenn das Berechnungsmodell völlig transparent wäre. Ende 2023 urteilte der Europäische Gerichtshof , dass die Prüfung der Bonität von Verbrauchern nur innerhalb enger Grenzen erlaubt sei. Zudem ist die Frage, ob und wie lange die Schufa Informationen über Zahlungsstörungen speichern darf, nachdem Forderungen ausgeglichen wurden, Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen .
»Es kommt laut Verbraucherbeschwerden immer wieder vor, dass negative Bewertungen auf falschen oder zumindest strittigen Daten beruhen«, sagt Dorothea Mohn, Leiterin Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Im Jahr 2024 gingen beim VZBV 317 Meldungen zu Problemen mit Bonitätsbewertungen ein, in 79 Prozent der Fälle ging es um die Schufa. Verbraucher gaben an, nicht nachvollziehen zu können, warum sie einen schlechten Score hatten. »Die Bundesregierung sollte Auskunfteien dazu verpflichten, die Richtigkeit von Daten sicherzustellen«, fordert Mohn. »Der Aufwand, falsche Daten korrigieren zu lassen, kann sehr hoch sein.«
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Die Berechnungen von Auskunfteien wie der Schufa, Creditreform oder Crif sind beispielsweise für Banken, Versandhändler, Mobilfunkanbieter und Energielieferanten ein wichtiger Maßstab. Denn sie wollen wissen, wie es um die Zahlungsmoral ihrer Kundschaft bestellt ist, bevor Verträge geschlossen und Waren übergeben werden. Die Schufa verfügt nach eigenen Angaben über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland.
