Verbraucher haben die Milka-Alpenmilch-Schokolade zur »Mogelpackung« des Jahres gewählt. In einer Onlineabstimmung fielen zwei Drittel der Stimmen auf das Produkt aus dem Hause Mondelez, wie die Verbraucherzentrale Hamburg mitteilte. Die Schokoladentafel wurde Anfang des Jahres 2025 dünner und gleichzeitig teurer: Die Füllmenge pro Tafel sank von 100 auf 90 Gramm, der Preis stieg von 1,49 auf 1,99 Euro.
An der Abstimmung zum Schmähpreis beteiligten sich laut Verbraucherzentrale so viele Verbraucherinnen und Verbraucher wie seit sechs Jahren nicht mehr: 34.731 Menschen gaben ihre Stimme ab.
Dies ist das Abstimmungsergebnis – und so reagieren die Hersteller:
Milka-Schokolade von Mondelez: 66,7 Prozent der Stimmen
Noch nie in der zwölfjährigen Geschichte der Wahl zur »Mogelpackung des Jahres« habe ein Produkt einen derart hohen Stimmenanteil erreicht, hieß es. »Das Abstimmungsergebnis ist ein Denkzettel, wie man ihn deutlicher kaum geben kann«, erklärte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Die Verbraucherzentrale hatte Anfang September wegen der Milka-»Mogelpackung« gegen den Hersteller Mondelez auch Klage vor dem Landgericht Bremen eingereicht und argumentiert, dass ein »deutlicher« Hinweis auf die Reduzierung des Inhalts fehle. Verhandelt wird darüber im April. Die Verbraucherzentrale will juristisch geklärt wissen, ob die Füllmengenreduzierung »nicht nur ärgerlich, sondern auch irreführend« war.
Hersteller Mondelez verwies in einer Stellungnahme auf gestiegene Rohstoffkosten, insbesondere beim Kakao. Man habe das Gewicht einiger Milka-Tafeln angepasst, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Das Gewicht werde deutlich sichtbar auf der Produktverpackung angegeben, schrieb das Unternehmen. Konsumentinnen und Konsumenten seien via Social Media über die Veränderung informiert worden.
Berichten zufolge verzeichnete Milka-Hersteller Mondelez 2025 im europäischen Markt beim Absatz von Schokolade und anderen süßen Snacks ein Minus von 7,5 Prozentpunkten. Der Konzern hatte im Oktober vergangenen Jahres seine Gewinnprognose für 2025 nach unten korrigiert.
Käse-Streusel-Backmischung von Dr. Oetker: 22,1 Prozent der Stimmen
Die Backmischung enthält in der neuen Version nur noch 370 Gramm statt 730 Gramm. Obgleich der Preis meist leicht reduziert wurde, beträgt die versteckte Preiserhöhung laut Verbraucherzentrale knapp 90 Prozent.
Dr. Oetker teilte auf Anfrage mit, dass die Backmischung »Klassiker neu interpretiert: Käse-Streusel« ein neues Produkt sei. Rund ein Jahr zuvor sei die »Käse-Streusel Kuchen«-Backmischung aus dem Sortiment genommen worden. Man habe bei der Entwicklung auf den »Ernährungstrend rund um kleinere Portionen« eingehen wollen. Außerdem solle statt Joghurt und Milch nun Doppelrahm-Frischkäse verwendet werden.
XXL Schoko-Hafer-Müsli von Kölln: 5,9 Prozent der Stimmen
Hier geht es um eine verdeckte Preiserhöhung bei der Großpackung: Statt 1700 Gramm enthält die neue XXL-Packung nur noch 1050 Gramm. Letztlich sei das Müsli trotz leichter Preissenkung damit um 30 Prozent teurer geworden , so die Verbraucherzentrale. Kölln habe auf der Großpackung nicht auf den geringeren Inhalt hingewiesen – bei anderen Produkten dagegen schon.
Kölln gab sich selbstkritisch. Man nehme die Kritik ernst und werde Änderungen in Füllmengen oder Größeneinheiten künftig transparenter kommunizieren, teilte das Unternehmen mit.
3in1 Classic Kaffeesticks von Jacobs: 4,9 Prozent der Stimmen
Statt 180 Gramm sind in der neuen Version nur noch 120 Gramm löslicher Kaffee in einem Kaffestick. Gleichzeitig stieg der Preis für das Produkt laut Verbraucherzentrale von 2,69 Euro auf 2,79 Euro. Auf das Gewicht bezogen entspreche das einer versteckten Preiserhöhung von 56 Prozent .
Während die Verbraucherschützer den Preis pro Gramm als entscheidend werten, argumentiert Jacobs mit dem Packungspreis. Hier gebe es bei der unverbindlichen Preisempfehlung ein Plus von rund vier Prozent, hieß es auf Anfrage. Die Anzahl an enthaltenen Getränken bleibe unverändert.
Die geringere Füllmenge begründet der Hersteller mit einer »Produktoptimierung«: Ein neuer, ergiebigerer Milch‑Creamer ermögliche trotz weniger Pulvers die gleiche Getränkemenge pro Tasse, heißt es. Der Konzern verweist auf sein »Health & Indulgence Programme«: Ziel sei es, Zucker und Kalorien zu reduzieren und gleichzeitig den Geschmack beizubehalten.
Die Verbraucherzentrale dagegen wirft dem Hersteller vor, die neue Variante enthalte weniger Kaffee, dafür mehr Aromen. Dies sei eine verdeckte Möglichkeit, Rohstoffkosten zu sparen. Das Produkt müsse als »aromatisiertes Getränkepulver« gekennzeichnet werden.
Jacobs hält dagegen: Eine solche Kennzeichnung sei rechtlich nicht erforderlich, da die verwendeten Aromen den Charakter des Produkts nicht verändern würden.
Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr: 0,4 Prozent der Stimmen
Hier ist mehr drin – für deutlich mehr Geld: Die Füllmenge pro Packung dieses Nudel-Fertiggerichts sei 2025 zwar von 163 auf 181 Gramm gestiegen, so die Verbraucherzentrale. Doch auch der Preis sei von 1,39 Euro auf 1,99 Euro deutlich erhöht worden. Unter dem Strich habe sich das Produkt deshalb um 29 Prozent verteuert .
Hersteller Unilever wies die Kritik auf Anfrage zurück. Man habe die unverbindliche Preisempfehlung entsprechend der Füllmenge erhöht – »die Endverbraucherpreise bestimmt der Handel«.
Die Abstimmung zur »Mogelpackung des Jahres« hatte am 5. Januar begonnen. Die Auswahl basiert auf der »Mogelpackungsliste« der Verbraucherzentrale, die Produkte auflistet, bei denen Hersteller oder Händler den Preis intransparent erhöht haben, meist durch geringere Füllmengen bei gleichbleibendem oder sogar steigendem Preis.
