SpOn 27.01.2026
10:04 Uhr

Schiffsunglücke im Mittelmeer: Hunderte Geflüchtete vermisst


Die UN-Migrationsagentur bezeichnet das Mittelmeer als den »tödlichsten Migrationskorridor der Welt«. Schwere Stürme haben offenbar mehrere Boote zum Kentern gebracht. Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar.

Schiffsunglücke im Mittelmeer: Hunderte Geflüchtete vermisst

Hunderte Menschen gelten nach dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, als tot oder vermisst. In den vergangenen zehn Tagen seien mehrere Boote bei schwerem Wetter verunglückt, teilte die Uno-Migrationsagentur Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Auslöser der Stürme war demnach der Zyklon »Harry«.

»Die endgültige Zahl der Opfer könnte deutlich höher liegen«, heißt es von der IOM . Das unterstreiche, dass das zentrale Mittelmeer weiterhin der weltweit tödlichste Migrationskorridor sei.

Aus Tunesien ausgelaufen – nie angekommen

Vor der italienischen Insel Lampedusa wurden drei Menschen, darunter etwa einjährige Zwillingsmädchen, nach einer Such- und Rettungsaktion für tot erklärt. Das Boot war von Sfax in Tunesien ausgelaufen.

Die Kinder seien an Unterkühlung gestorben, berichtete ihre Mutter aus Guinea, die zu den Überlebenden gehört. Auch ein Mann kam nach Angaben der IOM durch Unterkühlung ums Leben.

Überlebende desselben Boots berichteten zudem von einem weiteren Schiff, das zeitgleich gestartet sei, sein Ziel jedoch nie erreicht habe. Das Schicksal der Insassen ist bislang unbekannt.

Verschwundene Boote, erschwerte Suche

Nach Einschätzung der IOM sind während der jüngsten Sturmperiode vermutlich mehrere Boote verschwunden. Die Suche nach Vermissten werde durch das anhaltend schlechte Wetter erheblich behindert.

Derzeit überprüft die Organisation zudem den Bericht eines Überlebenden, der von einem Handelsschiff nahe Malta gerettet wurde. Demnach könnte ein weiteres Boot gekentert sein, mindestens 50 Menschen gelten in diesem Fall als tot oder vermisst. Unabhängig davon werden nach einem Schiffsbruch vor Tobruk in Libyen 51 Menschen für tot gehalten.

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Im Jahr 2025 mindestens 1340 Tote

Die IOM verurteilte das Vorgehen von Schleusern scharf. »Die Beförderung von Migranten auf seeuntüchtigen und überfüllten Booten ist eine Straftat«, erklärte die Organisation. Besonders verwerflich sei es, Menschen während eines schweren Sturms auf See zu schicken – unter Bedingungen, die ein nahezu sicheres Todesrisiko bedeuteten.

Seit Beginn des Jahres 2025 sind nach Angaben der UN-Migrationsagentur mindestens 1340 Migrantinnen und Migranten beim Versuch gestorben, Europa über das zentrale Mittelmeer zu erreichen.

dtt/Reuters