Die Umgebung rund um den Leuchtturm Sassnitz sieht auf den ersten Blick aus wie ein vereistes Feld. Doch es ist die Ostsee, überzogen von einer dicken Eisschicht: ein spektakuläres Naturschauspiel, das an der Küste von Rügen zu beobachten ist. Kein Wasser schwappt wie sonst an den Kai, stattdessen erstreckt sich eine zugefrorene Fläche, so weit das Auge reicht.
Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) wurde in den Boddengewässern um Rügen eine zehn Zentimeter dicke Eisschicht gemessen. Frostige Temperaturen, die seit mehreren Tagen in Norddeutschland herrschen, haben das Meer vereist.
Eis und Schnee vor Rügen
Foto: Sven Röbel / DER SPIEGELDie Eisschicht rund um Rügen hat zu Behinderungen im Fährverkehr geführt. Die Verbindung zur benachbarten Insel Hiddensee wurde ausgesetzt, weil das Schiff »Vitte« durch das Eis beschädigt wurde. Stattdessen fährt ein Eisbrecher im Notfahrplan. Er bringt die Post und sichert die Grundversorgung.
Eis sorgt auch in Hamburg für Fährausfälle
Auch im Hamburger Hafen behindert Eis den Verkehr der Fähren. Aufgestaute Eisschollen vor der Schleuse und dem Sperrwerk in Geesthacht sorgen dafür, dass der Pegel der Elbe im Hafen ungefähr zwei Meter niedriger als üblich ist. Das erklärte der Schiffsführer der Hadag-Fähre »Reeperbahn«, Fabian Klähn. Durch das Niedrigwasser können einige Anleger nicht bedient werden.
Eisige Temperaturen haben auch in anderen norddeutschen Orten spektakuläre Bilder erzeugt: Am Strand vom Ostseebad Kühlungsborn beispielsweise überzog eine dicke Schnee- und Eisschicht die Buhnen.
Strand von Kühlungsborn
Foto: Marc Stinger / IMAGOIn Greifswald fror der Fluss Ryck im Museumshafen zu, sodass Schlittschuhläufer die Chance nutzten und ihre Runden drehten.
Schlittschuhläufer im Museumshafen von Greifswald
Foto: Stefan Sauer / dpaMecklenburg-Vorpommern ist von dem Winterwetter besonders betroffen. Hier fühlen sich die ohnehin schon niedrigen Temperaturen zudem teils noch deutlich kälter an. Das liegt vor allem am Wind, wie Wetterexperte Stefan Kreibohm erklärt. Der Wind trage die Warmluftschicht um den Körper permanent ab – die Kälte gehe gefühlt fast »durch einen hindurch«, sagt Kreibohm. Das Ergebnis: Am Montag habe die gefühlte Temperatur teilweise bis zu minus 22 Grad betragen.
Der Dauerfrost soll in Norddeutschland zunächst weiter anhalten, wie der Deutsche Wetterdienst meldet. Und so dürfte das Naturschauspiel rund um den Leuchtturm Sassnitz auf Rügen auch noch in den kommenden Tagen zu beobachten sein.
