Der Bruder des früheren kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe (2002-2010) ist wegen Mordes und Verschwörung zu 28 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Der Großgrundbesitzer Santiago Uribe hatte nach Auffassung des Gerichts während des internen Konflikts Anfang der Neunzigerjahre im Departement Antioquia eine paramilitärische Gruppe aufgebaut, die vermeintliche Unterstützer der linken Guerillagruppen tötete, wie der Fernsehsender Caracol berichtete. In erster Instanz war er 2021 noch freigesprochen worden,
»Ich empfinde tiefen Schmerz wegen der Verurteilung meines Bruders«, schrieb Ex-Präsident Álvaro Uribe auf der Nachrichtenplattform X. »Gott stehe uns bei.« Der Rechtskonservative regierte Kolumbien von 2002 bis 2010. Er gilt als zentrale Figur im Kampf gegen linke Guerillagruppen. Kritiker hingegen werfen ihm Menschenrechtsverletzungen und Nähe zu paramilitärischen Gruppen vor.
Ex-Präsident sollte ebenfalls ins Gefängnis
Álvaro Uribe selbst war im Oktober in zweiter Instanz vom Vorwurf der Zeugenbestechung und des Verfahrensbetrugs freigesprochen worden. In erster Instanz war er zuvor zu zwölf Jahren Hausarrest verurteilt worden. Er soll während einer Untersuchung zu seinen mutmaßlichen Verbindungen zu den Paramilitärs Häftlinge bestochen haben, um entlastende Zeugenaussagen für sich zu beschaffen.
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Kolumbien litt jahrzehntelang unter einem bewaffneten Konflikt zwischen staatlichen Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs. Bei den Auseinandersetzungen kamen 220.000 Menschen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. 2016 wurde nach jahrelangen Verhandlungen ein Friedensvertrag geschlossen.

