SpOn 28.01.2026
17:14 Uhr

Sanija Ameti: Schweizer Politikerin nach Schüssen auf Jesusbild verurteilt


Sanija Ameti richtete 2024 ihre Druckluftpistole auf ein christliches Motiv und teilte Bilder der Schießübung bei Instagram. Der Post ist gelöscht, Job und Parteimitgliedschaft sind verloren. Nun folgt eine Geldstrafe.

Sanija Ameti: Schweizer Politikerin nach Schüssen auf Jesusbild verurteilt

Nach Schüssen auf ein Bild von Jesus und Maria ist eine Zürcher Lokalpolitikerin zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sanija Ameti hatte das Bild bei einer privaten Schießübung mit einer Druckluftpistole als Zielscheibe benutzt und Fotos davon auf Instagram hochgeladen. Unter den Beitrag schrieb sie »Abschalten«. Damit habe sie die Glaubensfreiheit gestört, argumentierte das Bezirksgericht Zürich.

Laut dem entsprechenden Paragrafen wird bestraft, wer »in gemeiner Weise die Überzeugung anderer in Glaubenssachen, insbesondere den Glauben an Gott, beschimpft oder verspottet.« Ameti soll 500 Franken (etwa 544 Euro) zahlen. Eine Strafe von 3000 Franken (etwa 3266 Euro) wurde zur Bewährung ausgesetzt. Sie kann gegen das Urteil Berufung einlegen.

Anwalt verweist auf Trauma

Der Vorfall hatte im September 2024 für Empörung gesorgt. Wie der SRF berichtet , standen Ameti und ihre Familie zwischenzeitlich unter Polizeischutz. Die Politikerin hatte den Instagram-Post nach wenigen Stunden gelöscht und sich bei Kirchenvertretern entschuldigt. Sie verlor ihren Job und kam einem Ausschluss aus der grünliberalen Partei (GLP) zuvor, indem sie selbst austrat. Bei der Wahl zum Zürcher Stadtparlament wird sie laut SRF nicht mehr antreten.

Ihr Anwalt hatte auf Freispruch plädiert. Ameti litt ihm zufolge unter einem Trauma, das sie 30 Jahre lang nicht verarbeitet hatte. Sie war als Kind mit ihrer Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien geflohen, wo ihr älterer Bruder erschossen wurde.

Die Politikerin selbst äußerte sich vor Gericht nicht. Vor dem Prozess hatte sie gesagt, sie habe damals achtlos eine Seite aus einem Katalog gerissen und als Zielscheibe genutzt. Ein Richter argumentierte, Ameti habe zwar die Gefühle von Christen verletzt, dies aber nicht absichtlich getan. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Aktion hingegen als bewusste Provokation.

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Als Nebenkläger traten mehrere Vertreter aus dem rechten Spektrum auf. Sie hätten den Fall für eigene Zwecke missbrauchen wollen, sagte Ametis Anwalt. Unter ihnen war Nicolas Rimoldi, Präsident des Vereins »Mass-Voll«, der aus Kritik an den Coronamaßnahmen gegründet wurde.

esw/dpa