SpOn 03.02.2026
23:40 Uhr

Saif al-Islam al-Gaddafi: Sohn von Libyens früherem Diktator getötet


Nach dem Sturz und Tod seines Vaters kam Saif al-Islam al-Gaddafi in Haft. Fast zehn Jahre später wollte er Präsident Libyens werden. Nun ist er offenbar im Garten seines Hauses getötet worden.

Saif al-Islam al-Gaddafi: Sohn von Libyens früherem Diktator getötet

Saif al-Islam al-Gaddafi, Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi ist nach Angaben seines politischen Büros getötet worden. Vier maskierte Männer hätten seine Residenz in der westlibyschen Stadt Sintan gestürmt und ihn erschossen, hieß es in einer Mitteilung. Das Büro sprach von einem »Mord« und machte »Handlanger des Regimes« verantwortlich.

Al-Gaddafis Anwalt Chalid al-Saidi bestätigte der Nachrichtenagentur dpa den Tod. Der Nachrichtensender Al Arabiya berichtete unter Berufung auf Kreise aus dem Umfeld der Gaddafi-Familie, Saif al-Islam, 53, sei im Garten seines Hauses in Sintan erschossen worden.

Zu möglichen Hintergründen gab es Spekulationen, unter anderem über eine mögliche Beteiligung von Milizen mit Nähe zur Regierung von Abdel Hamid Dbaiba in Tripolis. Eine Miliz mit Verbindungen zum Verteidigungsministerium wies Darstellungen zurück, wonach sie an der Tötung beteiligt gewesen sei.

Saif al-Islam war der zweitälteste Sohn Muammar al-Gaddafis, der in dem nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte herrschte, und eine der einflussreichsten Figuren in Libyen. Vor dem Sturz und Tod seines Vaters im Jahr 2011 trat er als Gesicht eines Reformprojekts auf, das Libyen politisch modernisieren und dem Westen annähern sollte. Viele der Bemühungen wurden bald aber rückgängig gemacht, um das Machtgefüge in der Regierung seines Vaters nicht ins Wanken zu bringen.

Libyens ehemaliger Diktator Muammar al-Gaddafi (2011)

Libyens ehemaliger Diktator Muammar al-Gaddafi (2011)

Foto: AHMED JADALLAH/ REUTERS

2011 wurde Muammar al-Gaddafi nach Massenprotesten über Monate gestürzt und schließlich getötet. Al-Islam hatte die brutale Niederschlagung der Proteste davor unterstützt. Auf der versuchten Flucht in den Niger wurde er dann von einer Miliz gefasst und kam in Sintan in Haft. Dort verbrachte er nach eigener Aussage mehrere Jahre und hatte kaum Kontakt zur Außenwelt.

Seit 2014 forderte der Internationale Strafgerichtshof seine Auslieferung, um ihn wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Aufstände vor Gericht zu stellen. 2015 verurteilte ihn ein Gericht in Tripolis in Abwesenheit zum Tode. Die Machthaber in Sintan überstellten ihn nicht und lieferten ihn auch nicht aus.

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2021 tauchte Saif al-Islam nach langer Abwesenheit wieder öffentlich auf und reichte Unterlagen für eine geplante Präsidentenwahl  ein. Die Abstimmung fand wegen eines Konflikts über verfassungsrechtliche Grundlagen und die zugelassenen Kandidaten jedoch nicht statt. Libyen ist faktisch in rivalisierende Machtzentren im Osten und Westen geteilt.

luc/dpa