In der AfD gibt es gerade einen offenen Konflikt über mögliche Vetternwirtschaft. Immer mehr Parteifunktionäre geraten wegen familiärer Beschäftigungsverhältnisse unter Druck, besonders in Sachsen-Anhalt. Der dortige Spitzenkandidat, Ulrich Siegmund, hat nun den in der Partei umstrittenen Kollegen Jan Wenzel Schmidt offenbar als »mutmaßlichen V-Mann« bezeichnet.
Schmidt hat daraufhin angekündigt, rechtliche Schritte gegen »diese Verunglimpfung« zu prüfen. »Herr Siegmund verbreitet bewusst die Unwahrheit. Ich war und bin nie für den Verfassungsschutz oder einer ähnlichen Institution tätig gewesen und habe auch nie dorthin Informationen kommuniziert oder Gelder erhalten«, sagte Schmidt dem SPIEGEL.
Verantwortung für seine Verdächtigung will Siegmund offenbar sowieso nicht übernehmen. Er sagte laut Vorabmeldung des rechten Blatts »Junge Freiheit«, dass viele Mitglieder den Verdacht hätten, Schmidt sei von Geheimdiensten gesteuert. Er selbst könne dazu natürlich nichts sagen, sprach aber von einem »mutmaßlichen V-Mann«.
Jan Wenzel Schmidt
Foto: dts-Agentur / picture allianceSchmidt, gegen den es selbst diverse Vorwürfe gibt , hatte bereits Ende 2025 angekündigt, Belege dafür vorzulegen, dass AfD-Landtagsabgeordnete Ehefrauen, Kinder oder Geschwister von Mitgliedern des Landesvorstands beschäftigten. Außerdem behauptet er, AfD-Parlamentarier hätten Dienstreisen gegenüber dem Landtag Sachsen-Anhalt falsch abgerechnet. Der Landesvorstand der AfD in Sachsen-Anhalt hat ein Parteiausschlussverfahren gegen Ex-Generalsekretär Schmidt beschlossen.
In Sachsen-Anhalt werden immer mehr Fälle bekannt, in denen Familienangehörige von AfD-Politikern bei anderen Abgeordneten beschäftigt worden sind. Sachsen-Anhalts Spitzenkandidat Siegmund steht selbst im Fokus der Vorwürfe der Vetternwirtschaft. Sein Vater soll laut Medienberichten mehr als 7500 Euro monatlich als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines weiteren AfD-Parteikollegen erhalten haben. In dem Interview mit der »Jungen Freiheit« hat Siegmund die Vorwürfe laut Vorabmeldung als »orchestrierte Kampagne« zurückgewiesen.
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Die Kritik entbehre »jeder Verhältnismäßigkeit«, sagte Siegmund demnach. Der kolportierte Verdienst seines Vaters sei eine »veraltete Zahl«. Die Summe habe er lediglich projektbezogen für einige Monate erhalten. Regulär verdiene dieser nun unter 5500 Euro. Dies sei auch angemessen, da sein Vater Diplom-Ingenieur sei und im Bundestag gute Arbeit leiste.
Die Beschäftigung seines Vaters innerhalb der Partei sieht Siegmund demnach offenbar nicht als problematisch an. »Ich kann meinem Vater nicht vorschreiben, wo er sich bewirbt, und den Abgeordneten nicht, wen sie anstellen.«
Die Brisanz der Vorwürfe habe er »höchstwahrscheinlich unterschätzt«, sagte Siegmund weiter. Grundsätzlich gebe es »eine gewisse Häufung« von eingestellten Familienmitgliedern, da diese nach der Gründung der AfD mit noch wenigen Mitgliedern oft zusammen Aufbauarbeit geleistet hätten. Da der Landesverband nun mehr als 3000 Mitglieder habe, würden sich solche Häufungen aber mit der Zeit auch auflösen.
Zahlreiche Vorwürfe erschüttern die AfD, Parteimitglieder haben Belege gesammelt. Der SPIEGEL konnte sie auswerten. Mehr über die Schlammschlacht bei der AfD lesen Sie hier.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Schmidt habe angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten. Tatsächlich will er dies prüfen. Wir haben außerdem die Überschrift geändert.
