SpOn 18.05.2026
01:17 Uhr

Sachsen: Tierschützer fordern nach Tigerausbruch Eingreifen des Bundes


Ein Tiger entkommt in Sachsen aus einem privaten Gehege, verletzt einen Mann schwer und wird von der Polizei getötet: Nach dem dramatischen Fall bei Leipzig sieht die Tierrechtsorganisation Peta den Gesetzgeber in der Pflicht.

Sachsen: Tierschützer fordern nach Tigerausbruch Eingreifen des Bundes

Als Reaktion auf den Fall des ausgebrochenen Tigers bei Leipzig hat die Tierrechtsorganisation Peta strengere Regeln für die Haltung gefährlicher Wildtiere gefordert. »Im Prinzip muss die Bundesregierung jetzt endlich handeln«, sagte Peter Höfgen, Peta-Fachreferent für Wildtiere, der Nachrichtenagentur dpa.

Der Vorfall zeige erneut, dass die Haltung gefährlicher Wildtiere in Privathand oder in mobilen Betrieben nicht ausreichend sicher sei. In mehreren Bundesländern sei die private Haltung von Tigern oder Löwen weiterhin erlaubt. Aus Sicht von Peta müsse die Gesetzgebung deshalb verschärft werden.

Am Sonntag war in Schkeuditz bei Leipzig ein Tiger aus einer privaten Anlage entkommen (mehr hier). Ein 73-Jähriger wurde schwer verletzt, in ersten Meldungen war von nur leichten Verletzungen die Rede gewesen.

Bei dem verletzten Mann handelt es sich laut Polizei um eine Art Helfer. Er habe sich berechtigterweise in der Anlage aufgehalten, sagte die Sprecherin. Die Polizei überprüfe jetzt, wie es dazukommen konnte, dass der Tiger ausgebrochen ist. Ob sich daraus auch noch Ermittlungen wegen einer Straftat ergeben, war zunächst offen.

Die Polizei erschoss das Tier später im Bereich einer Gartenanlage. Dort hätten sich laut MDR zahlreiche Menschen aufgehalten, weshalb sich die Polizei für die Schüsse mit scharfer Munition entschieden habe. Für die Bevölkerung besteht laut Polizei keine Gefahr mehr. Weitere Tiere seien nicht entkommen.

Seit 2019 immer wieder Hinweise an die Behörden

Im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig hält die Tiger-Dompteurin Carmen Zander in einem Gewerbegebiet Großkatzen. Dort sollen noch acht Tiger leben. Die Dompteurin reagierte zunächst nicht auf eine dpa-Anfrage. »Es hätte schon längst eine Beschlagnahmung der Tiere erfolgen müssen«, sagte Höfgen.

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Peta habe das Veterinäramt Nordsachsen seit 2019 wiederholt auf aus Sicht der Organisation mangelhafte Haltungsbedingungen hingewiesen. Höfgen sprach von zu kleinen und unsicheren Gehegen sowie Verstößen gegen den Tierschutz. Nach Angaben der Organisation gibt es seit längerer Zeit das Angebot einer Auffangstation, die Tiere aufzunehmen.

Erst diesen Sonntag hatte der MDR einen Beitrag veröffentlicht , in dem Peta scharfe Kritik an Zanders Raubtierhaltung in Dölzig übt.

Laut dem Bericht habe Zander 15 Jahre lang als Tiger-Dompteurin gearbeitet. Nach Vorwürfen, sie habe ein Tier geschlagen, verzichte Zander seit drei Jahren auf Tourneen. Der jetzige Aufenthaltsort für die Tiere sei das einstige Winterquartier.

jok/dpa