Ruf in eine »Trööt«:
»Isch ginn, isch ginn.«
Es war mal wieder so weit. Einmal im Jahr werden im saarländischen Saarhölzbach junge Menschen verkuppelt. Am zweiten Samstag im Januar findet hier traditionell das sogenannte »Lehnenrufen« statt. Angehende 20-Jährige stehen auf einem Berg und rufen mit einer »Tuut« oder »Trööt« -genannten Vorrichtung Namen von potenziellen Paaren übers Tal. Infrage kommen dabei alle Mädchen ab 16 Jahren und alle Jungen ab 18 Jahren.
Elias Becker, Sprecher Lehnenkomitee:
»Wir haben vom Lehnenkomitee die Paare festgelegt. Dafür haben wir vom Ortsvorsteher Listen bekommen, auf denen alle Namen standen. Und dann mussten wir recherchieren: Wie alt sind die? Und dann haben wir geguckt, wie es passt, dass dann die Paare alle zusammengefügt werden.
Auf einem gegenüberliegenden Berg steht dann der jüngere Jahrgang und bestätigt in einem festgelegten Dialog die Paare.
Elias Becker, Sprecher Lehnenkomitee:
»Wir beginnen mit: ›Isch ginn, isch ginn‹ Das bedeutet quasi ›ich gebe, ich gebe.‹ Dann antworten die anderen: ›Gif wem de willst ‹. Das heißt:›Gib, wem du willst. ‹ Und dann werden die beiden Namen, die zusammen ausgerufen werden, ausgerufen und dann müssen die anderen halt bestätigen mit: ›Daas is gud.‹«
Eine Woche später gibt es dann den traditionellen »Lehnenball«, zu dem die Paare gemeinsam gehen können, wenn sie denn wollen.
Christian Stutz, Ortsvorsteher:
»Das Dating an sich ist gar nicht verbindlich. Es ist auch kulturell nicht in irgendeine Fasson reingeschnitzt, sondern am Ende des Tages kann auch ein Mann mit einem Mann, eine Frau mit einer Frau ausgerufen werden und schlussendlich entscheiden die beiden Ausgerufenen, ob sie miteinander auf den Ball gehen oder nicht.«
Die Tradition des Lehnenrufens ist in Saarhölzbach seit 1834 belegt. In diesem Jahr hat das Komitee 104 Paare ausgerufen. Eine Bilanz, wie viele Teilnehmer dadurch zueinander gefunden haben, gebe es laut dem Ortsvorsteher nicht. Dafür den Willen, den Brauch zum immateriellen Kulturerbe zu machen. Der Antrag dafür sei 2025 im Saarland eingereicht worden.
Hans-Dieter Michel, stellvertretender Ortsvorsteher:
»Wir sind grundsätzlich optimistisch. Ich gehe davon aus, dass wir es zumindest auf Landesebene schaffen werden, weil der Brauch so skurril und so herrlich altmodisch ist, dass wir denken, dass wir es schaffen werden.«
