Der Kurs von Aktien des Walldorfer Konzerns SAP ist an diesem Handelstag in der Frankfurter Börse kräftig abgesackt – und das, obwohl Europas größter Softwarehersteller wächst und mehr Gewinn macht. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg konnte seine Zahlen zwar verbessern und hat ehrgeizige Ziele für 2026. Dennoch sorgen die Auftragszahlen im wichtigen Cloudgeschäft dafür, dass die Aktie zwischenzeitlich um rund 16 Prozent auf 165 Euro fiel – und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.
»Ich mache diesen Job jetzt seit sechs Jahren. Ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt«, sagte Vorstandschef Christian Klein bei der Bilanzvorlage in Walldorf. Der aktuelle Aktienkurs sei nicht schön. Aber er sei sich sicher, dass SAP »einzigartig positioniert« sei, um das Rennen bei künstlicher Intelligenz (KI) im Geschäftsbereich zu gewinnen. Nun sei es wichtig, sich voll und ganz auf die Umsetzung der eigenen Strategie zu konzentrieren – unabhängig vom Kapitalmarkt. »Dann werden wir auch wieder andere Zeiten erleben.«
Der Grund für den Kursrutsch liegt vorwiegend im Cloudgeschäft. Die aktuelle Generation von SAP-Software wird nämlich in Rechenzentren betrieben. Die Kunden nutzen diese dann über das Internet. An die Stelle der einmaligen Lizenzverkäufe treten also regelmäßige Abogebühren.
Das ist ein Wachstumstreiber. Im vergangenen Jahr wuchs der Auftragsbestand in der Cloud auf Sicht von zwölf Monaten (sogenannter Current Cloud Backlog) um währungsbereinigt 25 Prozent. Das Wachstum war also hoch – fiel allerdings etwas niedriger aus als erwartet. Klein hatte im Dezember gesagt, dass so ein Wert eine Enttäuschung wäre. Ziel waren demnach mindestens 26 Prozent.
Zugleich ist der aktuelle Kursrutsch der Aktie eine Fortsetzung eines länger anhaltenden Abschwungs. Dahinter steht die Befürchtung, dass mithilfe von KI einige Funktionen der SAP-Firmensoftware relativ einfach nachgebildet werden können. Dies könnte den Preis für Produkte des Walldorfer Konzerns drücken. Wegen dieses Risikos halte er SAP-Papiere weiterhin für überbewertet, betonte DZ-Bank-Analyst Armin Kremser.
SAP-Chef Klein zufolge ist aber bislang kein Kunden-Exodus zu beobachten. »Wir verlieren keine Aufträge wegen KI. Wir gewinnen Aufträge wegen KI«, betonte er. Mehr als zwei Drittel der Cloud-Neuaufträge beinhalteten entsprechende Funktionen. »Die Zahl der Nutzer unseres KI-Copiloten hat sich im Laufe des vergangenen Jahres verneunfacht.«
36,8 Milliarden Euro Umsatz
2025 stieg der Umsatz des Konzerns dank des starken Plus bei Cloudsoftware um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Der schwache Dollar bremste dabei erheblich und kostete beim Umsatzanstieg drei Prozentpunkte. Das bereinigte operative Ergebnis legte unter anderem wegen der Einsparungen durch einen großen Personalumbau um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zu und fiel damit etwas besser aus als von Experten geschätzt.
Unter dem Strich wuchs der Nettogewinn auf 7,5 Milliarden Euro, das war mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Im Vorjahr hatten Stellenstreichungen mit Milliardenkosten belastet. Diesmal legte SAP 174 Millionen Euro für einen alten Rechtsstreit in den USA mit der dortigen Firma Teradata zurück.
2026 will das SAP-Management das Umsatzwachstum weiter beschleunigen und erneut profitabler werden. Der Produktumsatz mit Cloudsoftware und herkömmlichen Lizenzen soll währungsbereinigt um zwölf bis 13 Prozent zulegen, die Cloudsoftware zur Nutzung über das Netz allein um 23 bis 25 Prozent.
