SpOn 06.02.2026
10:26 Uhr

Russland – Wladimir Aleksejew: General in Moskau niedergeschossen


Er ist stellvertretender Chef des russischen Militärgeheimdiensts: In Moskau hat es nach Behördenangaben einen Anschlag auf General Wladimir Aleksejew gegeben. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Russland – Wladimir Aleksejew: General in Moskau niedergeschossen

In Moskau ist offenbar erneut ein hochrangiger russischer Armeevertreter angegriffen worden. Ein Unbekannter habe am Morgen »mehrere Schüsse« auf General Wladimir Aleksejew abgegeben und sei dann geflohen, teilte das für schwere Verbrechen zuständige russische Ermittlungskomitee mit.

Aleksejew sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Nach dem Täter oder den Tätern werde gefahndet, erklärte die Sprecherin des Ermittlungskomitees. Auch Präsident Wladimir Putin wurde nach Angaben von Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow informiert.

Er hoffe, dass Alexejew überlebe und wieder auf die Beine komme, sagte Peskow. Es sei klar, dass hochrangige Befehlshaber und Spezialisten sich während des Kriegs in Gefahr befänden. Allerdings sei es Aufgabe des Geheimdienstes, diese Personen zu schützen.

Der den russischen Sicherheitsorganen nahestehende Telegramkanal Mash berichtete, der General sei in seinem Wohnhaus vor dem Fahrstuhl mehrmals in den Rücken geschossen worden. Mindestens drei Kugeln hätten den Geheimdienstler getroffen – zwei im Bauchbereich, eine im Bein. »Aleksejew hat sehr viel Blut verloren«, hieß es dort.

Assad unterstützt, mit Prigoschin verhandelt

Aleksejew ist der stellvertretende Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs im Verteidigungsministerium – und zudem stellvertretender Chef des Militärgeheimdiensts GRU.

Er war während des syrischen Bürgerkriegs für Geheimdiensteinsätze in Syrien verantwortlich; Moskau hatte dort den mittlerweile gestürzten Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Nach dem Aufstand der russischen Söldner-Gruppe Wagner verhandelte Aleksejew mit dem damaligen Chef der Wagner-Gruppe, Jewgenij Prigoschin.

Nach Medienberichten war er auch für die Aufstellung und Organisation von sogenannten Freiwilligenbataillonen mitverantwortlich. In Kyjiw wird er zudem wegen der Bereitstellung von Daten für die Luftschläge gesucht, die oft zivile Opfer kosten.

Auf westlichen Sanktionslisten steht er seit Jahren unter anderem wegen des Vorwurfs der Organisation von Cyberkriminalität und der Verbreitung des Nervenkampfstoffs Nowitschok im Zuge der Affäre um die versuchte Tötung des übergelaufenen Geheimdienstagenten Sergej Skripal in Großbritannien.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ​wurden mehrere hochrangige russische ‌Militärangehörige ermordet. ⁠Moskau macht Kyjiw für die Angriffe verantwortlich. Für einige Aktionen haben die Ukrainer öffentlich die Verantwortung übernommen.

Der Anschlag auf Aleksejew kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: In Abu Dhabi hatten Ukraine und Russland am Donnerstag noch miteinander verhandelt. Die russische Delegation wurde dabei von Igor Kostjukow angeführt, dem Chef des GRU und Vorgesetzten Aleksejews.

slü/heb/AFP/Reuters/dpa