SpOn 23.11.2025
21:11 Uhr

Russland lässt Straßenmusikerin Diana Loginowa aus Arrest frei – 18-Jährige verlässt offenbar das Land


Monatelang hatte ihre Band in Sankt Petersburg verbotene Lieder gespielt, bis sie festgenommen wurden. Nun sind Diana Loginowa und ihr Verlobter frei. Berichten zufolge sollen sie nicht mehr in Russland sein.

Russland lässt Straßenmusikerin Diana Loginowa aus Arrest frei – 18-Jährige verlässt offenbar das Land

Die russische Sängerin Diana Loginowa (Künstlername Naoko), die mit ihrer Band in Russland verbotene Lieder gespielt hatte, ist russischen Medienberichten zufolge aus der Arrest-Anstalt in Sankt Petersburg entlassen worden. Ein Video, aufgenommen von Journalisten, zeigt einen weißen Wagen, der am Sonntagmorgen das Gelände der Arrest-Anstalt verließ. In dem Fahrzeug befand sich die Sängerin in Begleitung von Mitarbeitern des »Zentr E«. Dabei handelt es sich um eine Einheit der Polizei, die eigentlich Extremismus bekämpfen soll, aber vor allem gegen Gegner des Regimes vorgeht. Den Berichten zufolge wurde Loginowa in einen anderen Teil der Stadt gebracht, wohl um Kontakt zu Journalisten zu vermeiden.

Mehrere russische Medien, darunter »Nowaja Gazeta Europe« und das Sankt Petersburger Internetportal »Bumaga«, berichten nun, dass die Sängerin Russland inzwischen verlassen hat. Sie sei in Sicherheit, heißt es. Nach drei Arrest-Strafen war das Risiko groß, dass gegen sie strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden wären und sie zu langen Haftstrafen verurteilt worden wäre.

Auch der Gitarrist der Band, Loginowas Verlobter, ist Berichten zufolge freigekommen. Er ist demnach in der Nacht in einem Auto mit getönten Scheiben aus der Arrest-Anstalt gebracht worden. Medienberichten zufolge hat auch er das Land verlassen. Seine Anwältin erklärte, er sei in Sicherheit.

Angebliche Störung der Nachtruhe, angebliche »Diskreditierung der Armee«

Die 18-jährige Sängerin hatte mit ihrem Gitarristen und ihrem Drummer in Sankt Petersburg auf der Straße Zeilen eines in Russland verbotenen Liedes präsentiert, das Machthaber Wladimir Putin und seinen Apparat kritisiert. Ihre Band »Stoptime« hatte monatelang fast jeden Abend auf den Straßen von Sankt Petersburg musiziert und dabei trotz aller Repressionen verbotene und verschmähte Lieder gespielt. Hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene kamen, teils bis zu 200 Menschen. Junge Frauen, um die 16 Jahre, lagen sich in den Armen, weinten. Männer um die zwanzig brüllten Texte der Antikriegslieder von Noize MC mit. Lesen Sie hier mehr  über die Band und ihre Auftritte.

In Russland dürfen nur noch jene Künstlerinnen und Künstler auf Bühnen auftreten, die Putins Kurs unterstützen und vom Kreml als »patriotisch« eingestuft werden. Andere werden häufig als »Auslandsagent« gelistet – ein Versuch der Stigmatisierung.

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Loginowa und ihre Bandkollegen waren bereits im August von Polizisten abgeführt worden, weil sie angeblich die Nachtruhe gestört hatten. Im Oktober wurde Loginowa schließlich von der Polizei festgenommen. Sie wurde in Handschellen vor einem Sankt-Petersburger Gericht vorgeführt und zunächst zu 13 Tagen Haft verurteilt, obwohl eine Ordnungswidrigkeit verhandelt wurde. Die Musikerin habe eine Massenversammlung organisiert und damit die öffentliche Ordnung gestört, entschied eine Richterin. Auch ihre beiden Bandkollegen wurden zu Arrest verurteilt. Nachdem sie erste Strafen verbüßt hatten, wurden sie erneut festgenommen und zu weiteren Wochen Haft verurteilt. Die Sängerin wurde wegen angeblicher »Diskreditierung der Armee« verurteilt. Loginowa drohte eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren.

In der Folge kam es zu überraschender Solidarität mit der Band: Mindestens zehn Protestaktionen in Moskau und weiteren Regionen wurden bekannt.

heb/kko