SpOn 14.12.2025
16:59 Uhr

Russland-Ukraine-Krieg: Selenskyj trifft sich im Kanzleramt mit Witkoff und Kushner


Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist in Berlin eingetroffen. Dort soll über Pläne für einen Waffenstillstand im russischen Krieg gegen sein Land beraten werden, erste wichtige Gespräche laufen bereits.

Russland-Ukraine-Krieg: Selenskyj trifft sich im Kanzleramt mit Witkoff und Kushner

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist am späten Sonntagnachmittag im Kanzleramt mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner zusammengetroffen. Bundeskanzler Friedrich Merz habe die drei sowie den ukrainischen Unterhändler Rustem Umjerow persönlich begrüßt, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters, auf Selenskyjs Facebook-Account wurden zudem Fotos der Begegnung veröffentlicht .

Bundeskanzler Friedrich Merz nehme aber nicht an den ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen teil, heißt es aus Regierungskreisen zu dem Treffen. Anwesend sei im Raum jedoch der außenpolitische Berater des Kanzlers, Günter Sautter. Er nehme eine Art Moderatorenfunktion ein, berichtet die Nachrichtenagentur dpa, die auch den ukrainischen Generalstabschef Andrij Hnatow als Teil von Selenskyjs Delegation erwähnt. Es werde erwartet, dass die Beratungen im Kanzleramt bis in den späten Abend andauern könnten.

Unklar blieb zunächst, ob und, wenn ja, in welchen Formaten die Beratungen der US-Vertreter mit den Ukrainern am Montag weitergehen. Dies hänge stark von den aktuell laufenden Gesprächen ab, heißt es aus Regierungskreisen. Am Montag wollten Merz und Selenskyj am Nachmittag bei deutsch-ukrainischen Wirtschaftsgesprächen auftreten. Für Montagabend hat Merz zudem europäische Staats- und Regierungschefs ins Kanzleramt eingeladen, um über den Stand der Gespräche zu beraten.

Selenskyj besteht offenbar nicht mehr auf Nato-Beitritt

Wolodymyr Selenskyj hatte im Vorfeld seiner Reise nach Berlin angedeutet, dass die Ukraine im Fall einer Kompromisslösung auf den von ihr angestrebten Nato-Beitritt verzichten könnte, falls sein Land umfassende Sicherheitsgarantien gegen einen erneuten russischen Überfall erhalten sollte. »Von Anfang an war es der Wunsch der Ukraine, der Nato beizutreten, denn das sind echte Sicherheitsgarantien«, sagte Selenskyj Angaben von Reuters zufolge. »Einige Partner aus den USA und Europa haben diesen Weg nicht unterstützt.« Bilaterale Sicherheitsgarantien seien aber eine Möglichkeit, »eine weitere russische Invasion zu verhindern«, betonte Selenskyj.

Die Delegationen aus den USA und der Ukraine waren bereits am Sonntagvormittag in Berlin angekommen. Auch der amerikanische Viersternegeneral Alexus Grynkewich ist laut Angaben seines Sprechers in Berlin. Er ist Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa und soll die US-Verhandler militärisch beraten.

Kanzler Merz und andere EU-Staats- und -Regierungschefs hatten die US-Regierung mehrfach gewarnt, sie dürfe mit Russland keinen Diktatfrieden über die Köpfe der Ukrainer und Europäer hinweg vereinbaren.

Gespräche zunächst auf Beraterebene

Einer von Selenskyjs Unterhändlern, der stellvertretende Außenminister Sergiy Kyslytsya, hatte den Sonntag als einen »Tag voller Treffen« angekündigt. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen sollten zunächst die außenpolitischen Berater »unter anderem der USA und der Ukraine« Gespräche führen.

Wolodymyr Selenskyj wolle bei einem Treffen mit Steve Witkoff vor allem seine letzten Vorschläge zum Friedensplan von Präsident Donald Trump erörtern, hieß es im Vorfeld. Er habe bisher keine US-Reaktion auf seine jüngsten Änderungsvorschläge erhalten, antwortete Selenskyj laut ukrainischen Medien auf Fragen von Journalisten.

Ein Friedensplan werde nicht so aussehen, dass er allen gefalle, meinte Selenskyj. Es gebe Kompromissvorschläge. »Das Allerwichtigste ist, dass der Plan möglichst gerecht ist, vor allem für die Ukraine. Das Wichtigste ist, dass er effektiv ist«, sagte er.

Der Kreml ist skeptisch

Bei den Gesprächen in Berlin sind keine russischen Vertreter dabei. Der US-Sondergesandte Witkoff hatte sich Anfang Dezember mit Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen. Putin zeigte sich danach zwar weiterhin zu Verhandlungen bereit, sagte aber, dass Russland auf dem Schlachtfeld die strategische Initiative habe und seine Kriegsziele auch mit militärischer Gewalt durchsetzen könne, falls eine diplomatische Einigung scheitern sollte.

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Russland blickt eher argwöhnisch auf die Beratungen. Die Beiträge der Europäer und der Ukraine zum Friedensplan von US-Präsident Donald Trump würden »wohl kaum konstruktiv sein«, sagte der außenpolitische Berater von Kremlchef Wladimir Putin, Jurij Uschakow, vor Beginn der Gespräche in Berlin dem russischen Staatsfernsehen. »Darin liegt das Problem«, sagte Uschakow.

Zugleich lobte er, dass die US-Seite die russische Position verstehe. Uschakow machte deutlich, dass Russland vor allem nicht von seinen Territorialforderungen für eine friedliche Lösung des Konflikts abrücke. Moskau verlangt, dass Kyjiw seine Truppen auch aus jenen Gebieten im Donbass abzieht, die Russland bisher nicht erobern konnte und die von der Ukraine weiter kontrolliert werden. Änderungen an den Punkten zu Gebietsfragen lehne sein Land ab, sagte Uschakow.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, das Treffen habe am späten Samstagnachmittag begonnen. In Wirklichkeit startete es am Sonntagnachmittag. Wir haben die Stelle geändert.

mbö/dpa/Reuters/AFP