SpOn 31.01.2026
15:21 Uhr

Russland-Ukraine-Krieg: Moskau und Kyjiw melden gegenseitige Angriffe vor neuen Verhandlungen


Am Sonntag verhandeln Russland und die Ukraine über ein mögliches Kriegsende. Einen Tag vor dem Treffen in Abu Dhabi meldet Kyjiw erneute Luftangriffe. Auch Moskau berichtet von abgewehrten gegnerischen Drohnen.

Russland-Ukraine-Krieg: Moskau und Kyjiw melden gegenseitige Angriffe vor neuen Verhandlungen

Das ukrainische Verteidigungsministerium meldet, dass Russland – nach einem erklärten vorübergehenden Verzicht auf den Beschuss von Energieanlagen – seine Angriffe auf andere Ziele fortgesetzt hat. Es seien von den ukrainischen Streitkräften genutzte Objekte der Verkehrsinfrastruktur und Munitionsdepots beschossen worden, teilte das russische Ministerium mit.

Russland soll laut der ukrainischen Seite in der Nacht zum Samstag 85 Drohnen eingesetzt haben. Über Einschläge in Energieanlagen war demnach zunächst nichts bekannt.

Auch Russland berichtete von abgewehrten ukrainischen Angriffen. Es seien unter anderem 47 Drohnen und vier Gleitbomben abgeschossen worden. Zu Schäden machte das Ministerium wie immer keine Angaben.

Die Regierungsabgesandten beider Länder wollen an diesem Sonntag in Abu Dhabi ihre am vergangenen Wochenende nach langer Zeit wieder aufgenommenen direkten Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges fortsetzen. Russland erklärte sich nach einer Bitte von US-Präsident Donald Trump bereit, wegen der extremen Kälte und der ohnehin großen Schäden von neuen Angriffen auf die Energieinfrastruktur zeitweilig abzusehen.

Mehr zum Thema

Kremlsprecher Dmitrij Peskow sagte, dass diese begrenzte Feuerpause nur bis zu diesem Sonntag gelte, um für die Verhandlungen eine gute Grundlage zu schaffen. Trump selbst hatte von einer einwöchigen Pause gesprochen, die Kremlchef Wladimir Putin ihm zugesagt habe.

Zwar erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass es keine Vereinbarung zwischen den Kriegsparteien über eine solche Feuerpause gebe. Er wolle sich aber auch daran halten und keine Objekte der russischen Ölindustrie angreifen, wenn Russland seine Ankündigung wahr mache.

Selenskyj hatte am Freitag auch bestätigt, dass keine Energieanlagen angegriffen worden seien. Er erklärte, dass aus seiner Sicht die einwöchige Pause seit diesem Tag gelte. Zugleich berichtete er, dass Russland seine Angriffe verlagert habe und nun Verkehrsinfrastruktur unter Beschuss nehme.

Am Samstagvormittag ist in mehreren Regionen der Ukraine der Strom ausgefallen. Energieminister Denys Schmyhal zufolge liegt das an einer technischen Störung bei zwei Stromleitungen, die die Ukraine, Moldau und Rumänien verbinden. Der Westen und das Zentrum der Ukraine, inklusive der Hauptstadt Kyjiw, seien von dem Stromausfall betroffen. Man arbeite an einer Lösung, schrieb Schmyhal bei Telegram.

Kyjiws U-Bahnen stehen still

Kurz zuvor hatte Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko mitgeteilt, dass wegen anhaltender Probleme mit der Energieversorgung erstmals seit den ersten Kriegswochen der Betrieb der U-Bahn eingestellt sei.

Wie in vielen Städten des Landes gebe es auch in Kyjiw Stromausfälle, schrieb Klitschko. Der Betrieb der U-Bahn sei nun wegen niedriger Spannung im Netz eingestellt worden. Die Bahnhöfe könnten aber weiter als Schutzräume genutzt werden.

Russland hat zu Jahresbeginn seine Attacken aus der Luft auf Kyjiw noch einmal verstärkt. Nach erneutem Beschuss der Heizkraftwerke in der ukrainischen Hauptstadt waren zuletzt Tausende Wohnblöcke ohne Fernheizung.

Die Ukraine wehrt sich seit bald vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Selenskyj hatte zuletzt wegen der russischen Angriffe auf Energieanlagen, die zu massiven Strom- und Heizungsausfällen führten und die Lage der Menschen verschlimmerten, die westlichen Verbündeten aufgerufen, ihre zugesagten Flugabwehrraketen rasch zu liefern.

Mehr als 45.000 ukrainische Kampfdrohnen drangen SPIEGEL-Daten zufolge vergangenes Jahr ins russische Staatsgebiet ein. Die Analyse zeigt, wo die meisten Angriffe gemeldet wurden – und warum gerade dort .

svs/dpa/AFP/Reuters