Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge bei einer Spezialoperation im Schwarzen Meer zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte mit Seedrohnen angegriffen und in Brand gesetzt. Das sagte ein Mitglied des ukrainischen Geheimdienstes SBU gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Die beiden Tanker »Kairos« und »Virat« sollen demnach leer auf dem Weg in die russische Hafenstadt Noworossijsk gewesen sein, um eine neue Ölfracht aufzunehmen. Bei Seedrohnen handelt es sich um mit Sprengstoff beladene, unbemannte Wasserfahrzeuge. Die Ukraine setzt sie immer wieder gegen russische Ziele ein.
Der SBU-Offizielle teilte auch Videoaufnahmen mit der Nachrichtenagentur. Sie sollen die Angriffe auf die beiden Tanker zeigen. »Das Video zeigt, dass beide Tanker nach dem Treffer schwer beschädigt und praktisch außer Betrieb gesetzt wurden«, erklärte er. »Das bedeutet einen erheblichen Schlag für den russischen Öltransport.« Die Aufnahmen konnten nicht unabhängig überprüft werden. Aus Russland gibt es bisher keine Reaktion.
Szene aus dem SBU-Video
Foto:AFP
Kyjiw hat den Westen wiederholt aufgefordert, konkrete Maßnahmen gegen die sogenannte Schattenflotte Russlands zu ergreifen. Sie hilft laut der ukrainischen Regierung Moskau dabei, trotz westlicher Sanktionen große Mengen Öl zu exportieren und seinen Krieg in der Ukraine zu finanzieren (mehr dazu hier ).
Türkei berichtet von Explosionen auf der »Virat« und der »Kairos«
Auch die Türkei meldete Explosionen auf zwei Schiffen im Schwarzen Meer. Der Tanker »Virat« sei nach Russland unterwegs gewesen, wiederholt angegriffen worden und habe kleinere Schäden erlitten, erklärte das türkische Verkehrsministerium auf der Plattform X. Der Vorfall soll sich in internationalen Gewässern ereignet haben, die 20 Besatzungsmitglieder seien wohlauf.
Der Kapitän der »Virat« habe einen Drohnenangriff gemeldet, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf den türkischen Verkehrsminister Abdulkadir Uraloğlu. Bereits am Freitag seien 25 Besatzungsmitglieder des zweiten Tankers »Kairos« von türkischen Rettungsteams evakuiert und an Land gebracht worden, so Uraloğlu . Das Schiff soll von Ägypten nach Russland unterwegs gewesen sein. Es gab von offizieller türkischer Seite keine Details darüber, wie genau der Vorfall verlaufen sein soll.
Bericht über Angriff auf Ölterminal in Noworossijsk
Früher am Samstag hatte das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) erklärt, dass die Ukraine bei einem Angriff mit Seedrohnen ein international wichtiges Ölterminal in Noworossijsk schwer beschädigt habe. Eine Anlegestelle des Terminals sei nicht mehr nutzbar. Das Unternehmen sprach von einer »zielgerichteten Terrorattacke mit unbemannten Booten«.
Bei dem Angriff sei niemand verletzt worden, hieß es vom CPC. Es war bereits der dritte Angriff auf eine Anlage des auch von Kasachstan betriebenen Konsortiums. Das kasachische Energieministerium kritisierte die Attacke als Angriff auf die wirtschaftlichen Interessen der ölreichen Republik in Zentralasien. Das Ministerium wolle nun alternative Transportwege suchen.
Während der ukrainischen Angriffe seien alle Ladeoperationen im Hafen von Noworossijsk eingestellt und die Öltanker weggefahren worden. Auch die Pipelines seien zum Zeitpunkt der Explosion geschlossen gewesen. Nach ersten Erkenntnissen sei kein Öl ins Schwarze Meer geraten, hieß es.
Mehr dazu, warum die Ukraine jetzt vermehrt Russlands Raffinerien angreift, erfahren Sie hier .
Im Februar war die größte Ölpumpstation des Konsortiums CPC in Russland bei einem Drohnenangriff im südrussischen Gebiet Krasnodar außer Betrieb gesetzt worden. Im Mai nahm sie die Arbeit wieder auf. Im September wurde das Büro des Konsortiums in Noworossijsk bei einem Drohnenangriff beschädigt, zwei Mitarbeiter seien verletzt worden, hieß es damals.
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CPC transportiert nach eigenen Angaben Öl von großen Ölfeldern der zentralasiatischen Republik Kasachstan. Im vergangenen Jahr waren das demnach rund 63 Millionen Tonnen Öl; zwei Drittel davon entfielen auf ausländische Unternehmen, darunter ExxonMobil, Eni und Shell.

