Vor knapp vier Jahren hat Russland in einem völkerrechtswidrigen Angriff die Ukraine überfallen. Kremlchef Wladimir Putin hatte den Überfall zunächst noch mit einem angeblichen Schutz vor Rechtsextremen gerechtfertigt, sprach später von einem Widerstand gegen Nato-Erweiterungen. Nun sind seine Soldaten in den Augen des russischen Präsidenten gar Heilige – wie eine Weihnachtsrede Putins nahelegt.
Russlands Soldaten erfüllen demnach eine »heilige Mission« im Auftrag Gottes. Indirekt verglich er seine Kämpfer gar mit Jesus Christus: Dieser sei auf die Erde gekommen, um alle Menschen zu retten. »Auch die Soldaten Russlands erfüllen immer – sozusagen im Auftrag des Herrn – diese Mission: die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen«, so Putin. In Russland habe man die eigenen Soldaten zu allen Zeiten auf einer »heiligen Mission« im Auftrag des Herrn gesehen.
»Ein einziger Sieg für alle«
Die Rede hielt Putin in der Nacht zu Mittwoch bei einer orthodoxen Weihnachtsfeier in einer Kirche bei Moskau vor Militärangehörigen und ihren Familien. Der Kreml veröffentlichte später ein Video der Szene. An die Zuhörenden gewandt, schloss Putin in der kurzen Ansprache, man möge gemeinsam die Feiertage begehen und sich über gemeinsame Siege freuen. »Denn wie wir wissen, gibt es immer nur einen Sieg für alle, einen einzigen Sieg für alle.« Dann dankte Putin den Militärs für ihren Dienst am Vaterland.
Den anhaltenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erwähnte er in seiner Ansprache nicht direkt.
Russisch-orthodoxe Christen feiern Weihnachten in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar. Putin gratuliert dabei regelmäßig den Gläubigen zu dem hohen Kirchenfest. Er nimmt allerdings nie an der großen Weihnachtsliturgie von Patriarch Kirill I. in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau teil, die live im Fernsehen übertragen wird. Der Patriarch hat in der Vergangenheit bereits den Ukraine-Feldzug mit einem angeblichen heiligen Krieg in Verbindung gebracht. Er nannte ihn etwa einen »metaphysischen Kampf« im Namen »des Rechts, sich auf der Seite des Lichts zu positionieren, aufseiten der Wahrheit Gottes«.
