Die Ukraine will von Russland wegen des Krieges eine Entschädigung von fast 44 Milliarden US-Dollar für Klimaschäden einfordern. Es sei das erste Mal, dass ein Land eine solche Entschädigung für den Anstieg klimaschädlicher Emissionen geltend mache, sagte der stellvertretende Minister für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft, Pawlo Kartaschow, der Nachrichtenagentur Reuters.
»Es sind riesige Mengen zusätzlicher CO₂-Emission und Treibhausgase entstanden«, erklärte Kartaschow am Rande des COP30-Klimagipfels in Brasilien. Dazu zählten Emissionen aus dem Verbrauch fossiler Brennstoffe, Zement und Stahl im Zuge der Kampfhandlungen sowie durch Waldbrände. Ein Mitglied der russischen Delegation bei der COP30 lehnte eine Stellungnahme ab.
Grundlage ist eine Schätzung des niederländischen Experten für CO₂-Bilanzierung, Lennard de Klerk. Dieser geht davon aus, dass der Krieg seit der russischen Invasion im Februar 2022 etwa 237 Millionen Tonnen zusätzlicher CO₂-Äquivalente verursacht hat. Dies entspreche fast den jährlichen Emissionen von Irland, Belgien und Österreich zusammen. De Klerk half nach eigenen Angaben der Ukraine bei der Berechnung des Schadensbetrags.
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Derweil gehen die Gefechte in der Ukraine weiter. Nach Strom- und Fernwärmeausfällen infolge ukrainischer Drohnenangriffe auf zwei Wärmekraftwerke ist im russisch besetzten Teil des Gebietes Donezk der regionale Notstand erklärt worden. Ein entsprechendes Dekret veröffentlichte der von Moskau eingesetzte Chef der Donezker Besatzungsverwaltung, Denis Puschilin. Mit der Maßnahme sollen die erforderlichen Reparaturen erleichtert werden.
In der Nacht zum Dienstag waren die Wärmekraftwerke bei Starobeschewe und Suhres von ukrainischen Drohnen attackiert worden. Gut 65 Prozent der Verbraucher im russisch besetzten Teil der Region Donezk sollen ohne Strom sein. Schulen und Kindergärten sind den Anordnungen der Behörden zufolge nur bei funktionierender Fernwärmeversorgung geöffnet. In der Ostukraine sinken die Temperaturen in der Nacht in den einstelligen Bereich. Die Ukraine wehrt seit mehr als dreieinhalb Jahren eine russische Invasion ab. Dabei greift das russische Militär immer wieder ukrainische Energieanlagen an.
Millionenpaket aus Spanien zugesagt
Bei der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg ist die Ukraine auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Spanien wird dem Land ein neues Hilfspaket im Wert von 615 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Rund 300 Millionen Euro des Pakets seien für »neue Verteidigungsausrüstung« vorgesehen, sagte der spanische Regierungschef Pedro Sánchez am Dienstag bei einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Madrid.
»Euer Kampf ist unserer«, so Sánchez. Der »Neo-Imperialismus« des russischen Präsidenten Wladimir Putin versuche, »das Projekt Europa und alles, wofür es steht«, zu schwächen, betonte der spanische Politiker.
215 Millionen Euro aus dem Hilfspaket sollen der Produktion von Drohnenabwehrsystemen, Überwachungsradaren und Aufklärungsgeräten zugute kommen. Vieles davon soll von spanischen Firmen entwickelt werden. Die spanischen Ukrainehilfen werden vom neuen EU-Verteidigungsfonds Safe unterstützt.
Außerdem werden 100 Millionen Euro an eine von der Nato geleitete Initiative überwiesen, welche die Ukraine mit Luftabwehrsystemen versorgt. Im Rahmen der sogenannten Priorisierten Anforderungsliste für die Ukraine kaufen europäische Verbündete und Kanada Waffen aus den USA für die Ukraine.
