Russland hat einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Moskau aus dem Land ausgewiesen. Der Angestellte sei zur Persona non grata, also zur unerwünschten Person, erklärt worden, teilte das russische Außenministerium laut der Nachrichtenagentur Tass mit. Demnach wurde der Botschafter einbestellt und über den Schritt informiert.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul bezeichnete die Ausweisung als »inakzeptabel«. »Die Ausweisung eines deutschen Diplomaten aus Russland entbehrt jeder sachlichen Grundlage«, sagte der CDU-Politiker. Russland setze auf »ungerechtfertigte Vergeltungsmethoden«.
Das russische Außenministerium argumentiert, die Entscheidung sei eine Reaktion auf die Ausweisung eines Mitarbeiters der russischen Botschaft in Berlin vor zwei Wochen.
»Wir betrachten die Maßnahmen der deutschen Seite als eine billige Provokation, die darauf abzielt, die russische diplomatische Vertretung in der BRD zu diskreditieren«, teilte das Ministerium in Moskau mit. Bei der russischen Reaktion handele es sich um eine »symmetrische Antwort«. Deutschland allein trage »die volle Verantwortung für die neue Eskalation in den bilateralen Beziehungen«.
Eine solche Reaktion Russlands war erwartet worden. Das Auswärtige Amt hatte Mitte Januar dem russischen Botschafter in Berlin mitgeteilt, dass der betroffene Mitarbeiter das Land innerhalb von 72 Stunden verlassen müsse. »Dem Botschafter wurde im Auftrag des Außenministers mit Nachdruck mitgeteilt, dass Spionageaktivitäten in Deutschland durch die Bundesrepublik Deutschland nicht toleriert werden und Konsequenzen haben«, teilte das Auswärtige Amt dazu mit.
Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei dem ausgewiesenen Mitarbeiter um den an der russischen Botschaft als Vize-Militärattaché akkreditierten Andrej M. Er soll nach Erkenntnissen von Ermittlern für russische Geheimdienste tätig gewesen sein. Konkret soll er als Führungsoffizier einer Spionin fungiert haben. Die Bundesanwaltschaft hatte die Deutsch-Ukrainerin festnehmen lassen, sie sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.
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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass es sich bei der von Russland ausgewiesenen Person um den Leiter der deutschen Botschaft in Moskau handle. Tatsächlich ist bisher nicht offiziell bekannt, um wen es sich handelt. Wir haben die Stelle korrigiert.
