Moskau, Russland
Der Tatort in Moskau ist abgeriegelt: Hier, in einem Wohnhaus, wurden nach Behördenangaben am Freitagmorgen »mehrere Schüsse«auf diesen Mann abgegeben:
General Wladimir Alexejew. Der 64-Jährige ist stellvertretender Chef des Militärgeheimdienstes im russischen Verteidigungsministerium – also ein besonders hochrangiger Armeevertreter.
Aleksejew sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden, – nach dem Täter werde gefahndet. Der Kreml reagierte mit einer knappen Audiobotschaft:
Stimme von Dmitrij Peskow, Kreml-Sprecher
»Selbstverständlich wird der Staatschef auf dem Laufenden gehalten. Wir wünschen dem General vor allem Überleben und Genesung.«
Christina Hebel, SPIEGEL
»In Moskau reagiert man angespannt auf das Attentat auf den Vizemilitärgeheimdienstchef, das er in seinem Wohnhaus angeschossen werden konnte, zeigt das Versagen der eigenen Sicherheitsbehörden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie der Präsidentensprecher Peskow reagierte. Er sagte, es sei offensichtlich, dass die eigenen Militärs in Kriegszeiten gefährdet seien.Für ihre Sicherheit aber seien die Dienste und Sicherheitsbehörden zuständig. Damit schob er die Verantwortung ganz klar in ihre Richtung.«
Rostow am Dom 24.Juni 2023
Alexejew war zuständig für Söldnergruppen. Bekannt wurde er unter anderem für seine Verhandlungen mit dem Chef der berüchtigten Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, nach dem Aufstand der Söldner im Sommer 2023. Kurz darauf kam Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Alexejew soll im Ukraine-Krieg eine Schlüsselrolle im Bereich der Geheimdienste gehabt haben, er plante Operationen und koordinierte Spezialeinheiten des Militärgeheimdienstes auf ukrainischem Territorium.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurden bereits mehrere hochrangige russische Militärangehörige ermordet.
Moskau, 22.12.2025
Erst Ende Dezember tötete in Moskau eine Autobombe den Generalleutnant Fanil Sarwarow.; In seinem Fall vermuteten russische Ermittler eine Beteiligung ukrainischer Geheimdienste. Bewiesen wurde das nie.
Christina Hebel, SPIEGEL
»Der Anschlag jetzt ist bereits der vierte seit ungefähr einem Jahr, und hochrangige Vertreter hier in Moskau machen die ukrainischen Dienste dafür verantwortlich. Interessant ist auch der zeitliche Zusammenhang, denn erst gestern endete eine neue Runde von Gesprächen der Russen und Ukrainer unter Vermittlung der USA in Abu Dhabi. Russische Kriegsblogger, das sind die Hardliner bei der Unterstützung des Krieges von Russland gegen die Ukrain, glauben, dass dadurch die Verhandlungen gestört werden sollen. Einer schreibt sichtlich empört angesichts des neuen Anschlags: »Unsere russischen Soldaten sind in Bachmut, also auf russisch besetzten ukrainischen Boden, besser geschützt als hier in unserer Hauptstadt«.«