SpOn 16.12.2025
01:46 Uhr

Russland: Kreml stuft Pussy Riot als »extremistische Organisation« ein


Mit ihren Protestaktionen ziehen Pussy Riot immer wieder die Wut des Kreml auf sich. Nun reagiert Russlands Regierung: Die Gruppe gilt ab sofort als kriminell – mit erheblichen Folgen.

Russland: Kreml stuft Pussy Riot als »extremistische Organisation« ein

Ein Moskauer Gericht hat die Gruppe Pussy Riot als extremistisch eingestuft und damit in Russland verboten. Das meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den Anwalt der Gruppe. Klage hatte demnach die Generalstaatsanwaltschaft eingereicht. Damit ist nun jegliche Interaktion mit der Gruppe in Russland illegal, auch in der Vergangenheit getätigte »Gefällt-mir«-Angaben.

Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine im Februar 2022 hat der Kreml seine Schikane gegen Kritiker noch einmal verstärkt. Der Anwalt der Band, Leonid Solowjow, sagte dem unabhängigen russischen Nachrichtenportal Sotavision nach dem Gerichtstermin, die Entscheidung sei »eine weitere Aktion, die jene zum Schweigen bringt, die sich außerhalb des Erlaubten äußern«.

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Erst im September waren fünf Mitglieder des Kollektivs in Abwesenheit in Moskau zu Haftstrafen zwischen acht und 13 Jahren verurteilt worden. Das Gericht sprach sie wegen angeblicher Diskreditierung der russischen Streitkräfte schuldig und warf ihnen vor, bewusst Verleumdungen und Falschinformationen über die russische Armee zu verbreiten.

Kollektiv in einer langen Liste von »Extremisten«

Anlass waren der Clip »Mama, Don't Watch TV« (Mama, schau kein Fernsehen) und ein Auftritt in München im April 2024, bei dem sie etwa die Zerstörung der ostukrainischen Stadt Mariupol durch russische Militärs thematisierten. (Lesen Sie hier  eine Besprechung des neuen Buchs von Pussy-Riot-Mitglied Maria Aljochina.)

Die lose feministische Vereinigung sorgt immer wieder mit radikaler Videokunst für Aufsehen. Weltweit bekannt wurde sie mit einem »Punk-Gebet« in der zentralen Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, das die Einheit von Staat und Kirche anprangerte. Drei Frauen wurden dafür damals mit zwei Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Die Punkband reiht sich ein in die russische Liste von »Terroristen und Extremisten«. Ebenfalls vertreten sind dort die Anti-Korruptions-Stiftung des 2024 verstorbenen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, das US-Unternehmen Meta sowie die »internationale LGBT-Bewegung«.

jok/dpa