Die Zahl der auf russischer Seite im Ukrainekrieg kämpfenden Kenianer hatte die kenianische Regierung mit etwa 200 angegeben. Die Zahl könnte jedoch weitaus höher liegen. »Es scheint ein Muster zu geben, Menschen anzulocken und sie dann sterben zu lassen«, erklärte Sing'Oei. Er fügte hinzu: »Kein Kenianer würde sich freiwillig auf so etwas einlassen.«
Vorwurf: Verträge auf Russisch mit falschen Versprechungen
In den vergangenen Wochen hatten sich Berichte in Kenia gehäuft, wonach kenianische Staatsbürger »unter falschen Versprechungen« nach Russland gelockt wurden, darunter mit scheinbar lukrativen Arbeitsverträgen. Eine in dieser Woche veröffentlichte Recherche der AFP deckte im Zuge dessen ein weitverzweigtes Täuschungsnetz auf.
Dabei kam unter anderem ans Licht, dass vier Männer ohne jeglichen militärischen Hintergrund gezwungen wurden, Verträge mit der russischen Armee zu unterzeichnen. Sie seien daraufhin umgehend an die Front in der Ukraine geschickt worden. Drei der vier Männer kehrten demnach verletzt zurück. Zuvor hätten alle vier Verträge in russischer Sprache erhalten. Einer ging offenbar davon aus, als Verkäufer zu arbeiten, zwei sollten als Wachleute arbeiten und der vierte als Leistungssportler.
Kenias Außenminister reist nach Moskau
Außenminister Musalia Mudavadi kündigte am Dienstag an, im nächsten Monat nach Moskau zu reisen, um »diesem Vorgehen Einhalt zu gebieten«. Er werde sich auch für die Freilassung von in der Ukraine inhaftierten Kenianern einsetzen und den Zustand der im Krankenhaus behandelten Staatsbürger überprüfen, so Mudavadi. Dem Minister zufolge wurden in den vergangenen zwei Monaten mehr als 30 Kenianer aus Russland evakuiert. Skrupellose Anwerbe-Agenturen in dem ostafrikanischen Land wurden demnach geschlossen.
- Nordkoreanische Soldaten in Russland: Was über Kim Jong Uns Kämpfer bekannt ist Von Katharina Graça Peters
- Anwerbung von Söldnern: Wie viele Chinesen kämpfen in der russischen Armee? Von Christian Esch, Kyjiw
- Präsidentenprogramm »Zeit der Helden«: Putin hievt Soldaten mit Kampferfahrung in staatliche Führungsposten Eine Analyse von Christian Neef
Kenia ist nicht das einzige Land, in dem offenbar Menschen für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine rekrutiert wurden. Auch Südafrikas Regierung hatte im November erklärt, »Notrufe« von Männern erhalten zu haben, die in der heftig umkämpften ostukrainischen Region Donbass gestrandet seien und drauf drängten, nach Hause geholt zu werden.
