Ein Museum wird umgebaut – und mit ihm die offizielle Erzählung: Das Moskauer Gulag-Museum über das Lagersystem unter Sowjetdiktator Josef Stalin wird in ein Museum über deutsche Verbrechen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg umgewandelt.
Das derzeit geschlossene Museum teilte auf seiner Website mit, es werde sich als »Museum der Erinnerung« künftig »dem Gedenken an die Opfer des Genozids am sowjetischen Volk« widmen. »Die Ausstellung wird alle Etappen der Nazi-Kriegsverbrechen umfassen«, hieß es.
Bislang erinnerte das Museum in der russischen Hauptstadt an die Millionen Menschen, die zwischen 1918 und 1956 in Lagern im ganzen Land eingesperrt waren und Zwangsarbeit leisten mussten. Viele Menschen kamen dabei ums Leben. Der russische Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn hat das Haftsystem in seinem Werk »Archipel Gulag« beschrieben.
Aufarbeitung der Stalin-Zeit gestoppt
Die Aufarbeitung der Stalin-Verbrechen ist unter Präsident Putin aber weitgehend zum Erliegen gekommen. Als ein Zeichen musste das Moskauer Gulag-Museum im Jahr 2024 wegen angeblicher Brandschutzprobleme schließen.
Putin betont in seiner Ideologie den sowjetischen Sieg über Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg, der in Russland Großer Vaterländischer Krieg genannt wird. Das neugestaltete Museum solle Besuchern die Formen von Nationalsozialismus, die Befreiungsmission der Roten Armee und die Prozesse gegen Naziverbrecher zeigen, teilte die Stadt Moskau mit.
Ziel sei, in der jungen Generation eine »nachhaltige Ablehnung des Nazismus« zu erreichen, wurde die künftige Direktorin Natalja Kalaschnikowa zitiert. Nach Darstellung der Moskauer Propaganda kämpft Russland derzeit in der Ukraine und bei deren ausländischen Unterstützern gegen Nazis.
