SpOn 15.10.2026
14:57 Uhr

Russland: Chefredakteur der »Nowaja Gaseta« nach Befragung wieder frei


Die »Nowaja Gaseta« gehört zu den wenigen unabhängigen Stimmen, die in Russland noch existieren. Nun wurde die Wohnung ihres Chefredakteurs Sergej Sokolow durchsucht, er selbst zur Vernehmung abgeführt. Inzwischen ist er wieder frei.

Russland: Chefredakteur der »Nowaja Gaseta« nach Befragung wieder frei

Der Chefredakteur der unabhängigen russischen »Nowaja Gaseta«, Sergej Sokolow, ist nach Angaben der Zeitung abgeführt worden. Nach einer Durchsuchung seiner Wohnung sei er abgeführt und zum Ermittlungskomitee in Moskau gebracht worden, schrieb die Zeitung im Onlinedienst Telegram. Das Ermittlungskomitee ist die oberste Strafverfolgungsbehörde Russlands.

Der Kontakt zu Sokolow sei um die Mittagszeit abgebrochen, kurz vor einer Redaktionssitzung, die er leiten sollte. Inzwischen habe Sokolow die Hauptdirektion des Ermittlungskomitees wieder verlassen. Demnach wurde er im Fall des »Novaja Gazeta«-Journalisten Oleg Roldugin vernommen.

Roldugin war im April unter dem Vorwurf festgenommen worden, personenbezogene Daten missbraucht zu haben. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Roldugin befindet sich unter Hausarrest und wartet auf seinen Prozess.

Produktion im Inland eingestellt

Die 1993 gegründete »Nowaja Gaseta« war viele Jahre Russlands führendes unabhängiges Medium und stand wegen ihrer Recherchen zur Menschenrechtslage unter starkem Druck. Nach Beginn der Offensive gegen die Ukraine 2022 führte Russland militärische Zensur ein, daraufhin stellte die Zeitung die Produktion im Inland ein. Online erscheint sie weiter. Die russischen Behörden stufen sie als sogenannten ausländischen Agenten ein.

Laut der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen war Sokolow schon 2024 wegen »Diskreditierung der Streitkräfte« festgenommen worden.

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Der ehemalige Chefredakteur der »Nowaja Gaseta«, Dmitrij Muratow, war Mitpreisträger des Friedensnobelpreises 2021 und widmete die Auszeichnung sechs Kollegen, die aufgrund ihrer Arbeit getötet wurden.

Der russische Geheimdienst hat einen japanischen Korrespondenten festgenommen, der Vorwurf: Spionage. Das erinnert an den Fall des US-Reporters Gershkovich. Gibt es eine Verbindung zur Auslieferung eines russischen Hackers nach Deutschland? Mehr dazu lesen Sie hier. 

luc/AFP/Reuters