Die russische Botschaft in Berlin weist Spionagevorwürfe Deutschlands zurück. Es handle sich um eine »dumme, eilig zusammengestrickte Provokation, die vor dem Hintergrund der aktiv hochgedrehten Angstmacherei um Spione, die russische diplomatische Vertretung diskreditieren soll«, heißt es in einer Stellungnahme der Botschaft.
Das Auswärtige Amt hatte den russischen Botschafter in Berlin am Donnerstag einbestellt. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass ein als Diplomat akkreditierter Mitarbeiter der Botschaft der Russischen Föderation, der in Deutschland Spionage betrieben habe, mit sofortiger Wirkung zur Persona non grata erklärt worden sei .
Bei dem Kontaktmann handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um den an der Botschaft als Vize-Militärattaché akkreditierten Andrej M., der nach Erkenntnissen der Ermittler für die russischen Geheimdienste tätig war und als Führungsoffizier fungierte.
Gezielt Militärinformationen weitergegeben
Aus dem Auswärtigen Amt hieß es weiter, der Mitarbeiter der Botschafter müsse Deutschland »umgehend verlassen«. In der Regel bleiben für eine Ausreise jetzt 72 Stunden. Und: »Dem Botschafter wurde im Auftrag des Außenministers mit Nachdruck mitgeteilt, dass Spionageaktivitäten in Deutschland durch die Bundesrepublik Deutschland nicht toleriert werden und Konsequenzen haben.«
Am Donnerstag hatte die Bundesanwaltschaft die Deutsch-Ukrainerin Ilona W. festnehmen lassen, sie soll laut den Ermittlern in Deutschland gezielt Militärinformationen zum Ukrainekrieg gesammelt und an ihren Kontaktmann in der russischen Botschaft weitergegeben haben. Mittlerweile ist die mutmaßliche Spionin in Untersuchungshaft genommen worden, wie der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof verfügte.
Die mutmaßliche russische Spionin Ilona W. war gern gesehener Gast im Berliner Politzirkus. Vor Kurzem kam sie sogar dem Kanzler und dem ukrainischen Präsidenten sehr nahe. Wer ist die Frau im Zentrum der Agentenaffäre? Lesen Sie hier die ganze Geschichte .
