SpOn 29.01.2026
17:35 Uhr

Royal Opera House London: Buh-Rufe nach Tenor-Ausfall bei Puccini


Was tun, wenn der Tenor mitten in der Vorführung ausfällt? Im Londoner Royal Opera House sprangen der Musikdirektor und die Choreografin ein. Eine eher schlechte Idee.

Royal Opera House London: Buh-Rufe nach Tenor-Ausfall bei Puccini

Die Rolle des Prinzen Kalaf im »Turandot« ist anspruchsvoll – am Dienstag geriet sie in London außerdem unverhofft dramatisch. Denn Prinz Kalaf, gespielt vom französischen Tenor Roberto Alagna, erkrankte mitten in der Vorstellung. Zum dritten Akt konnte er die Bühne nicht wieder betreten.

Normalerweise sind große Häuser auf Situationen wie diese vorbereitet. Doch nur wenige Tenöre können Arien wie das berühmte »Nessun dorma« zu Beginn des dritten Aktes wirklich gut singen – so wenige, dass nicht jeden Abend Springer für die Rolle verfügbar sind, wie es sonst der Fall ist.

Die fehlende Zweitbesetzung wurde dem Royal Opera House in London zum Verhängnis. Man musste improvisieren.

Die Show musste weitergehen

Man entschied sich in London, das schwierige »Nessun dorma« wegzulassen – ganz so, als habe nicht das gesamte Publikum auf diesen Höhepunkt der Oper gewartet. Ein Mitarbeiter trat vor den Vorhang und erklärte, die Rolle würde von jemandem fortgesetzt werden, der kein professioneller Sänger sei. Den Rest von »Turandot« sang dann der Musikdirektor Richard Hetherington in Chino-Hose und Turnschuhen hinter den Kulissen, während die Choreografin des Stückes im Kostüm die Bewegungen der Rolle ausführte. Die schwierig zu singenden Szenen am Schluss wurden gestrichen.

Plötzlich Hauptrolle: Musikdirektor Richard Hetherington sprang mutig ein

Plötzlich Hauptrolle: Musikdirektor Richard Hetherington sprang mutig ein

Foto: Royal Opera House

Laut der britischen »Times« hatten einige der Zuschauer bis zu 900 britische Pfund für zwei Tickets und ein Abendessen bezahlt, die Pannenshow sei ihr erster Opernbesuch gewesen. Einige Zuschauer buhten die Darbietung aus, andere sollen Gegenstände auf die Bühne geworfen haben.

Der Veranstalter Royal Ballet and Opera informierte die Zuschauer am folgenden Tag per E-Mail über die »außergewöhnlich seltene Situation« und bot ihnen einen Gutschein im Wert von 50 Prozent des Ticketpreises an.

»Turandot« über die gleichnamige chinesische Prinzessin war Giacomo Puccinis zwölfte und letzte Oper. Der Komponist starb 1924 im Alter von 65 Jahren und hinterließ »Turandot« unvollendet, die Uraufführung fand anderthalb Jahre nach Puccinis Tod in der Mailänder Scala statt.

cpa