SpOn 07.01.2026
03:01 Uhr

Rotes Kreuz: Stromausfall in Berlin zeigt Bedarf für mobile Notfallzeltlager


Für Extremlagen plant der Bund, Mobile Betreuungsmodule anzuschaffen – mit Zelten, Küchen, Krankenstation. Doch laut Rotem Kreuz sind erst anderthalb der Großcamps finanziert. Nötig wären aber viel mehr.

Rotes Kreuz: Stromausfall in Berlin zeigt Bedarf für mobile Notfallzeltlager

Der andauernde großflächige Stromausfall in Berlin zeigt, wie anfällig die zivile Infrastruktur ist – und welche Folgen ein Unfall, Anschlag oder Angriff haben kann. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, beklagt angesichts der Lage in der Hauptstadt fehlende Investitionen des Bundes in den Bevölkerungsschutz.

Deutschlandweit würden mindestens zehn Mobile Betreuungsmodule gebraucht, mit denen in länger andauernden Krisensituationen jeweils 5000 Menschen versorgt werden könnten, sagte Gröhe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Laut Bund sind die Module mit einer mobilen Kleinstadt vergleichbar, mit Zelten, Sanitärcontainern und Küchen.

Ausfinanziert seien jedoch nur anderthalb dieser Module, im aktuellen Bundeshaushalt seien keine Finanzmittel für weitere Module eingestellt, so Gröhe. »Es wird in diesen Tagen deutlich, wie wichtig Ausweichmöglichkeiten und eine ausreichende Bevorratung an Materialien zur Bewältigung solcher Lagen sind«, betonte der frühere CDU-Politiker und Bundesgesundheitsminister.

Der Stromausfall in Teilen Berlins zeige nochmals, wie anfällig die kritische Infrastruktur sei und welche Bedeutung der Schutz der Bevölkerung habe. »Der alleinige Blick auf das Militärische greift zu kurz. Der Zivil- und Katastrophenschutz ist ein zentraler Bestandteil für die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit und Teil der Daseinsvorsorge des Staates«, mahnte der DRK-Präsident.

DER SPIEGEL

Kassenärztechef Andreas Gassen verlangte, auch das Gesundheitssystem an die angespannte Sicherheitslage anzupassen. »Auf einen Angriff mit Tausenden Opfern, nach dem zur Versorgung Verwundeter auch die Praxen gebraucht würden, sind wir nicht ansatzweise vorbereitet«, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der »Neuen Osnabrücker Zeitung«.

Gassen weiter: »Auch vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gibt es kein Konzept des Bundes zur optimalen Nutzung aller ärztlichen Strukturen und zur Lösung von Problemen der Lagerung.«

Bürgermeister wehrt sich gegen Kritik

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom. Nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin werden voraussichtlich erst Donnerstag alle Haushalte wieder am Netz sein. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen Terrorverdachts (mehr dazu hier).

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner setzt sich gegen Kritik an seinem Krisenmanagement zur Wehr . Die Opposition und auch Vertreter des Koalitionspartners SPD werfen dem CDU-Politiker unter anderem vor, am vergangenen Samstag, dem ersten Tag des großen Stromausfalls im Berliner Südwesten, nicht vor Ort präsent gewesen zu sein.

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Wegner habe seit Samstagmorgen praktisch den ganzen Tag über mit Vertretern der Bundesregierung, der Stromnetz Berlin GmbH, anderen Senatsmitgliedern und den Krisenstäben telefoniert, um schnelle Hilfe wie die Unterstützung der Bundeswehr zu organisieren, heißt es aus seinem Umfeld. Das wäre vor Ort im Krisengebiet ohne Internet- und Handyempfang gar nicht möglich gewesen.

Am vergangenen Sonntag, dem zweiten Tag des Stromausfalls, war Wegner vor Ort. Er schaute sich unter anderem eine Notunterkunft an und musste sich dabei Kritik von anwesenden Bürgern anhören, die sich über aus ihrer Sicht unzureichende Hilfe für zwei pflegebedürftige Personen beschwerten.

jok/dpa