Der Fahrgast im Regionalexpress hat den Zugbegleiter nach einer Ticketkontrolle offenbar mit bloßen Händen angegriffen. Das teilt die Staatsanwaltschaft Zweibrücken mit. Nach SPIEGEL-Informationen geht man derzeit nicht davon aus, dass eine Waffe zum Einsatz kam.
Der Zugbegleiter war am Montagabend in einem Regionalexpress zwischen Landstuhl und Homburg von einem Fahrgast attackiert worden. Am Dienstagmorgen starb der Bahn-Mitarbeiter im Uniklinikum Homburg im Saarland. Er lebte laut der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei in Ludwigshafen. »Der Opferschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz wird der Familie Unterstützung anbieten«, teilt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer mit.
In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen Schweitzer und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (beide SPD) die Tat: »Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück«, schreiben sie. »Unsere Gedanken sind bei der Familie, allen Angehörigen und den Freundinnen und Freunden des getöteten Bahnmitarbeiters.«
Beide stünden nun im Kontakt mit dem Gesamtpersonalrat der DB-Regio. »Damit Zugbegleiter und Fahrgäste besser geschützt werden, müssen sich alle Beteiligten zusammentun.« Martin Burkert, Chef der Eisenbahngewerkschaft EVG, sagt: »Die Anzahl der Übergriffe auf die Beschäftigten bei Bahn und Bus steigt seit Jahren, und die Politik schaut zu.« In Nahverkehrszügen gebe es häufig nur einen Zugbegleiter, Sicherheitspersonal fahre fast nie mit. Auch Bahn-Chefin Evelyn Palla verurteilte den »schrecklichen Gewaltexzess«.
Der mutmaßliche Täter ist ein 26-Jähriger, der nun in Untersuchungshaft sitzt. Gegen den Mann erging Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags. Einsatzkräfte der Landespolizei des Saarlandes und der Bundespolizei hatten den Tatverdächtigen festgenommen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat nach dem tödlichen Angriff auf den Zugbegleiter höhere Strafen für solche Taten gefordert. »Der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn muss deutlich verschärft werden«, sagte Dobrindt am Mittwoch. »Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden.« Die steigende Gewalt gegenüber Mitarbeitenden des öffentlichen Dienstes und Dienstleistern wie der Bahn brauche »entschiedene Konsequenzen«.
Dobrindt zeigte sich »bestürzt, erschüttert und tief betroffen« vom Tod des Zugbegleiters. Er erwarte, »dass der Täter mit der vollen Härte des Gesetzes für seine brutale Tat bestraft wird«.
Im vergangenen Jahr hat es offenbar insgesamt mehr als 3000 Angriffe auf Bahnmitarbeiter gegeben. Das berichtet »Bild« unter Berufung auf eine Bahnsprecherin. »Die Hälfte der Angriffe betrifft das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel. Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.« Im Jahr 2024 hab es ähnlich viele Angriffe gegeben.
