SpOn 21.01.2026
17:43 Uhr

Resteverwertung: Rezepte, um alte Lebensmittel aufzubrauchen, statt immer neu zu kaufen


In einer schnell drehenden Nachrichtenwelt fällt es schwer, den Überblick zu behalten – über das Weltgeschehen oder den Vorratsschrank zu Hause. Zeit, einen Schritt zurückzutreten.

Resteverwertung: Rezepte, um alte Lebensmittel aufzubrauchen, statt immer neu zu kaufen

Wir Menschen haben, egal ob als Autor oder Leserin eines journalistischen Mediums, eines gemeinsam: begrenzte Aufmerksamkeit. Selbst wenn wir 24/7 am Handy hingen, gleichzeitig Podcasts und das Radio laufen ließen und derweil noch den neuen SPIEGEL durchblättern würden, bekämen wir nur einen Bruchteil dessen mit, was in der Welt da draußen passiert. Findige Politikberater wie der einstige Trump-Stratege Steve Bannon haben das durchschaut und das Konzept »flooding the zone with shit« aus der Taufe gehoben. Übersetzt bedeutet das, dass man die Welt und die Menschen darin mit so viel Nonsens, Mist und Lügen bombardiert, bis auch der konzentrierteste Zeitgenosse den Überblick verliert.

Blicken wir mal nur auf die USA: Kurz nach der ölgierigen Invasion (war es eine, wir hatten nicht genug Zeit, darüber zu sprechen?) von Venezuela und der Entführung  (wahrscheinlich völkerrechtswidrig?) von dessen Präsident Maduro streitet sich Trump schon mit Europa um die Herrschaft über Grönland, obwohl dort weniger Menschen leben als (jeweils) in Dormagen, Rosenheim oder Fulda. Parallel müsste der Tod einer Zivilistin  durch die Schüsse eines ICE-Agenten aufgearbeitet werden (bei denen Trump trotz Videobeweis von »Notwehr« spricht). Und das nur wenige Wochen, nachdem die US-Regierung die Epstein-Akten nur teilweise und stark geschwärzt  veröffentlicht hat, obwohl ein Gesetz sie dazu verpflichtet hatte. Merkwürdig, dass wir darüber gar nicht mehr reden.

Aber wie sollte man auch, wenn jemand einen bei jedem Versuch, einen klaren Gedanken zu formulieren, mit neuem Mist bewirft?

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Dasselbe Prinzip verwendet letztlich auch die Werbeindustrie, wenn sie uns jeden wachen Augenblick an jedem Bildschirm, auf jeder Plakatwand, jedem vorbeifahrenden Bus, jeder Magazinseite und in jedem Kopfhörer mit ihren Versprechungen bombardiert, dass die beworbenen Waren jetzt »noch besser« seien als der Kram, den wir bisher gekauft haben. »Verbesserte Rezeptur« klingt auch besser als »noch billiger produziert, aber zum selben Preis verkauft«. Und obwohl die Lebensmittelpreise in wenigen Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen sind,  behaupten Werbeaktionen großer Supermarktketten fast jede Woche aufs Neue, »schon wieder« die Preise gesenkt zu haben.

Bei mir funktioniert der Trick regelmäßig. Ich sehe es am eigenen Vorrats- und Kühlschrank, wo die zuletzt gekauften Produkte vorn stehen und die volle Aufmerksamkeit bekommen, während da so mancher schrumplige Kopf Kohl, obskure Backmischungen und angebrochene Soßen in der Tür ein trauriges Dasein rund ums Verfallsdatum führen. Ob dieser Kohl auch auf der Insel eines toten Sexualstraftäters herumgehangen hat? Werde ich nie erfahren, wenn ich mich nur auf meine frischen Einkäufe stürze.

Auf TikTok habe ich zum Jahresbeginn eine Creatorin gesehen, die sich dieses Problems angenommen hat. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihre kompletten Vorräte vor dem nächsten Einkauf aufzubrauchen. Jedes Gramm Mehl, jede Packung Reis, jede Konserve und alle angebrochenen Gläser mit sauren Gurken, Oliven und Kapern. Das Einzige, was sie weiterhin kaufen durfte, waren schneller verderbliche Vitaminlieferanten wie Obst und Gemüse. Man könnte hier vielleicht noch Fleisch, Milchprodukte und Fisch ergänzen, falls man nicht vegan lebt.

Das ist eine ziemlich gute Idee, muss ich sagen. Wir vermeiden Müll, sparen Ressourcen und Geld. Und können uns unangenehmen Fragen stellen:

Weiterhin fordert es die eigene Kreativität heraus, mit all den »alten« und vielleicht nicht direkt zueinander passenden Zutaten zu hantieren. Als Belohnung bekommt man dann in ein paar Wochen einen leeren Kühl- und Vorratsschrank, Marie-Kondo-artig aufgeräumt und ohne alten Ballast.

Mit all der mentalen Freiheit, die dadurch erzeugt wird, kann man sogar noch mal darüber nachdenken, was wohl noch alles über Donald Trump in den Epstein-Akten zu lesen wäre. Oder ob wir beim nächsten Mal mit etwas mehr Plan und Weitsicht einkaufen wollen, statt auf jedes Werbeversprechen hereinzufallen.

Hier sind ein paar Rezepte aus dieser Kolumne, die sich ideal für die Resteverwertung nutzen lassen.

Okonomiyaki

Die manchmal auch »japanische Pizza« genannten Pfannkuchen mit geriebenem und gehacktem Gemüse sind das ideale Vehikel, um noch gute, aber optisch nicht mehr ganz überzeugende Lebensmittel zu verarbeiten. Bonus: Auch die angebrochenen Soßen aus der Kühlschranktür kommen hier zum Einsatz. Schmeckt jedes Mal ein wenig anders.

Mehr zum Thema

Bratlinge

Quasi die deutsche Version von Okonomiyaki. Einfach etwas Mehl, Haferflocken, Quinoa oder Kerne mit gehacktem Gemüse und Gewürzen zu kleinen Frikadellen formen. Kombiniert mit günstigem Saisongemüse oder der verschmähten Kühlschrankschublade ein prima Restessen.

Mehr zum Thema

Curry

Ich habe zu jedem Zeitpunkt drei Sorten Currypaste im Haus, alle angebrochen und alle weit über dem Ablaufdatum. Wird das Zeug schlecht? Hoffentlich nicht. Jedenfalls kann man hier auch bestens Hülsenfrüchte wie Kichererbsen mit verkochen, egal, ob aus der Dose oder getrocknet. Im zweiten Fall nur über Nacht einweichen, das Wasser vor dem Kochen wechseln und nicht zu früh salzen – sonst kochen die alten Dinger ewig.

Mehr zum Thema

Gebackene Haferflocken

Sämtliche Arten von tiefgekühltem oder in Gläsern eingemachtem Süßkram lassen sich mit Haferflocken kombinieren, für ein sättigendes und einfach gemachtes Frühstück. Ich habe das hier mal im Stile eines semi-gesunden Karottenkuchens durchgespielt, doch es spricht nichts dagegen, es mit gezuckerten Pfirsichen oder dieser einen Dose süßer Kondensmilch hinten aus dem Schrank zu machen. Kalorien zählen nicht, wenn wir (für die Umwelt und den Geldbeutel) Reste aufbrauchen!

Mehr zum Thema

Herzhaftes Hafer-»Risotto«

Wo wir schon bei Haferflocken sind: Man kann die auch herzhaft essen. Ich weiß, ich weiß! Das ist für einige von uns, die mit süßen Haferflocken aufgewachsen sind, eine Überwindung. In Windeseile wird aus ihnen aber ein schlotzig-leckeres Porridge, das an ein herzhaftes Risotto erinnert. Ob mit gebratenen Zwiebeln, eingelegten Tomaten, Pilzen und Spiegelei, Kapern und Oliven … man kann sie eigentlich mit fast allem kombinieren, was die Speisekammer so hergibt. Und wie beim Risotto werden sie besser, je mehr Käse man dran gibt.

Mehr zum Thema

Wer noch mehr Inspiration benötigt, findet hier eine Liste aller Rezepte, die in den vergangenen Jahren in dieser Kolumne veröffentlicht wurden – von selbst gemachten chinesischen Nudeln bis zu angeblich »deutschen Pfannkuchen«, die man nur in den USA kennt. Bevor ich hier wieder eine neue Sensation aus dem Hut zaubere, die dann ja doch bloß in einem von Donald Trump heraufbeschworenen Unwetter aus menschlichem Unrat untergeht.