SpOn 02.12.2025
19:56 Uhr

Reporter ohne Grenzen kritisiert Medien-»Pranger« der Regierung Trump


Das Weiße Haus stellt auf seiner Webseite angebliche »Mediensünder der Woche« vor. Die Organisation Reporter ohne Grenzen verurteilt das scharf. Journalisten an den Pranger zu stellen, sei ein Werkzeug autoritärer Regierungen.

Reporter ohne Grenzen kritisiert Medien-»Pranger« der Regierung Trump

Die »Mediensünder der Woche« werden jetzt auf einer Webseite des Weißen Hauses gebrandmarkt: Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat der US-Regierung von Präsident Donald Trump daraufhin vorgeworfen, missliebige Medien an den »Pranger« zu stellen.

Wer aus Sicht der US-Regierung falsch oder voreingenommen berichte, werde auf der Webseite des Weißen Hauses bloßgestellt »und somit öffentlich diskreditiert«, kritisierte RSF am Dienstag in Berlin.

Unter dem Titel »hall of shame« (Deutsch: Halle der Schande) brandmarke das Weiße Haus zudem Medienberichte als »unwahr« oder »irreführend«, ohne konkrete Belege für diese Anschuldigungen zu liefern. Kategorien wie »Lüge« oder »linker Wahnsinn« sprächen zudem »kaum für die Seriosität dieser ›Liste der Schande‹«, rügte RSF.

»Ein Werkzeug autoritärer Regierungen«

Damit mache das Weiße Haus »einmal mehr seine Verachtung und Feindseligkeit gegenüber der unabhängigen Presse deutlich«, erklärte RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus. Journalistinnen und Journalisten an den Pranger zu stellen, sei »ein Werkzeug autoritärer Regierungen und eine weitere Eskalation der Angriffe auf die US-Medien«, betonte sie.

DER SPIEGEL

Trump überzieht kritische Medien seit seinem erneuten Amtsantritt im Januar mit Klagen, droht Sendern mit Lizenzentzug und geht Journalistinnen und Journalisten immer wieder verbal an. Zuletzt hatte er etwa eine Journalistin der Nachrichtenagentur Bloomberg wegen einer missliebigen Frage als »Schweinchen« verunglimpft.

Als »Mediensünder der Woche« listet das Weiße Haus auf seiner Webseite derzeit den US-Sender CBS News, die Zeitung »The Boston Globe« und die britische Tageszeitung »The Independent« auf. Die Trump-Regierung behauptet, sie hätten irreführend über die Reaktion des Präsidenten auf ein Video demokratischer Kongressabgeordneter berichtet, in dem diese Soldaten und Geheimdienstler im November zur Verweigerung »illegaler Befehle« aufgerufen hatten. Trump warf den drei Frauen und drei Männern daraufhin »aufwieglerisches Verhalten, strafbar mit dem Tode« vor.

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Osterhaus erklärte zu den US-Vorwürfen: »Pressefreiheit heißt nicht, regierungsnahe Narrative zu stärken – sie heißt, unbequem und hinterfragend zu berichten.« Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, hatte die Maßnahme dagegen mit der Vielzahl sogenannter angeblicher Fake News, die sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie kritisch über die US-Regierung berichten, begründet. Es sei »überwältigend, mit all dem Schritt zu halten und sich ständig gegen diese Falschinformationen und Angriffe verteidigen zu müssen«, sagte Leavitt am Montag.

naw/AFP