In Innsbruck beginnt am 10. Dezember der zweite Gerichtsprozess gegen Immobilienjongleur René Benko. Das Material, das Ermittler für viele weitere Anklagen gesammelt haben, birgt neuen Zündstoff. Zeugenaussagen und E-Mails von Mitarbeitern der kollabierten Signa-Gruppe, die dem SPIEGEL vorliegen, demonstrieren, wie abgebrüht in Benkos Reich wohl Investorengelder umhergeschoben wurden.
Millionen Euro, die Geldgeber für den Bau von Immobilien zweckgebunden gezahlt hatten, wurden demnach freimütig weitergeleitet zu anderen Firmenteilen bei Signa – und das offenbar mit System, immer dann, wenn es dort finanziell knapp wurde.
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So berichtete eine ehemalige Signa-Finanzmanagerin Ermittlern der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien, wie Beträge von Konten der Projektgesellschaften, »wo sie nicht notwendig waren«, zu übergeordneten Signa-Firmen »nach oben geleitet« wurden. Signa-Finanzchef Manuel Pirolt habe die notwendigen Beträge zugerufen, »und wir haben geschaut, wo wir freies Geld sammeln können«, sagte sie.
»Bekommst es eh in ein paar Tagen zurück«
Mehrere Investoren beklagen, dass sie Bauprojekte finanzierten und Gelder anschließend ohne ihr Wissen und Wollen zu Signa-Töchtern wie Signa Prime oder Signa Development durchgereicht worden seien. Mit den Signa-Insolvenzen ist das Geld nun weg. So sieht sich etwa der saudi-arabische Staatsfonds PIF getäuscht, der in das Münchner »Projekt Franz« 187 Millionen Euro investierte, großteils zweckgebunden.
Dokumente legen nahe, dass selbst die Liquiditätsreserve von sechs Millionen Euro auf einem geblockten Konto Anfang 2023 zur Signa Prime weitergeleitet worden sei und dort am Ende wohl blieb. Auf Bedenken eines Mitarbeiters habe Pirolt erwidert: »Bekommst es eh in ein paar Tagen zurück.« Pirolt antwortete nicht auf eine Anfrage, Benko wies Vorwürfe stets zurück.
Schon früher liefen offenbar solche Geldkarussells, etwa rund um die einst zu Signa gehörende Warenhauskette Galeria. »Manuel sucht Geld, um am Freitag Steuern in der Galeria Properties zahlen zu können«, schrieb ein Signa-Mitarbeiter Kollegen im Mai 2022. In der Firma sind Kaufhausimmobilien verbucht. Sofort bot ein Kollege Liquidität von Bauprojekten anderer Signa-Firmen an, »per Fundsflow rüber« zur Signa Prime.
Eine Mitarbeiterin antwortete, sie könne zwei Millionen aus dem Bauprojekt Alte Akademie in München »zur Verfügung stellen«. Als genügend Offerten zusammen waren, mailte einer: »Wir nehmen alles«, Zwinkersmiley.
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