SpOn 18.12.2025
11:42 Uhr

Rennrutschen: Cedric Köhnke ist Deutscher Meister und spricht über Adrenalinkicks


Er wird bis zu 35 km/h schnell, und nach wenigen Sekunden ist alles vorbei: Cedric Köhnke ist Deutscher Meister im Rennrutschen. Hier spricht er über Spaßbäder, den Adrenalinkick und Todeskurven.

Rennrutschen: Cedric Köhnke ist Deutscher Meister und spricht über Adrenalinkicks

SPIEGEL: Herr Köhnke, Sie sind 20 Jahre alt, BWL-Student – und Rennrutsch-Experte. Verraten Sie uns: mit dem Kopf oder mit den Füßen voran in die Röhre?

Köhnke: Kopf voraus ist verboten, erlaubt ist es nur mit den Füßen voran. Es hat einfach zu viele Verletzungen gegeben, also hat man die Rückenlage eingeführt. Sitzen geht auch, aber das ist natürlich deutlich langsamer.

SPIEGEL: Badeshorts oder Speedo, also die eng anliegende Variante?

Köhnke: Regeltechnisch ist das egal. Und wenn man richtig rutscht, also den Arsch hochbekommt, ist die Badehosenart egal. Aber wir nutzen immer Speedos. Fürs Gefühl – und falls technisch mal etwas schiefgeht.

SPIEGEL: Wie sieht die perfekte Rutschhaltung aus?

Köhnke: Man soll die Rutsche und das Wasser mit möglichst wenig Körperfläche berühren, dann ist man am schnellsten. Die gängigste Methode ist die Dreipunkttechnik: Die Hacken sind gekreuzt, eine berührt nicht den Boden, die Schulterblätter werden herausgedrückt, und auch der Arsch ist oben.

SPIEGEL: Darf man mit den Händen paddeln?

Köhnke: Theoretisch ist das erlaubt. Aber man muss aufpassen: Ab einer bestimmten Rutschgeschwindigkeit bremst man mit den Händen nur noch, das ist dann kontraproduktiv.

SPIEGEL: Sie sind dreifacher Deutscher Meister im Rennrutschen. Wie viele ernsthafte Konkurrenten haben Sie?

Köhnke: Vor Corona hatten wir 200 Teilnehmer bei den Deutschen Meisterschaften, jetzt ist es etwa die Hälfte. Dass die Schwimmbäder zweieinhalb Jahre geschlossen waren, hat viel kaputt gemacht. Um zu den Profis zu gehören, muss man etwa die »Green Mamba« in der Ostseetherme, die etwa hundertfünfzig Meter lang ist, in 18 Sekunden schaffen. Das gelingt nicht vielen. Eine Zeit von 17 Sekunden haben gar nur zwölf Leute erreicht.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

SPIEGEL: Ihre Turniere halten Sie in öffentlichen Spaßbädern ab. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein Turnier stattfinden zu lassen?

Köhnke: Der Rennrutschverband, für den ich auch aktiv bin , versucht, darauf zu schauen, dass eine Rutsche mindestens sechzig Meter lang ist. Besser sind hundert. Eine vorhandene Zeitmessung ist auch gut, Stoppuhren sind sehr ungenau. Die Bahnen dürfen auch nicht zu gefährlich sein. Wir haben schon einige Auslaufbecken gehabt, die zu kurz waren. Da knallt man dann gegen die Wand. Todeskurven sind auch schlecht, da rutscht man mit einer unfassbaren Geschwindigkeit auf eine Neunzig-Grad-Kurve zu, wird hochgeschleudert und dann klatscht man wieder runter.

SPIEGEL: Haben Sie ein Trainingsprogramm, oder reicht es, immer wieder die Stufen zum Startpunkt der Rutschen hochzulaufen?

Köhnke: Die Treppen sind tatsächlich das Schlimmste. Hunderte Stufen, alles sieht gleich aus. Da denkt man: ›Wann ist dieses Kackding endlich zu Ende?‹ Zusätzlich gehe ich aber fünfmal die Woche ins Fitnessstudio. Die Kraft ist wichtig, um sich möglichst schnell an der Stange abzustoßen. Ohne Kraft kann man auch den Arsch nicht lange genug oben halten. Im Durchschnitt haben wir etwa 35 Kilometer pro Stunde drauf, da wird man ordentlich in die Bahn gequetscht.

SPIEGEL: Hilft es, viel Fast Food zu essen?

Köhnke: Aufgrund der Unterteilung in leichte und schwere Herren ist der Gewichtsfaktor etwas limitiert. Aber je steiler die Rutsche ist, umso mehr spielt das schon eine Rolle. Nur: Wenn man 150 Kilogramm wiegt und seinen Arsch nicht mehr hochbekommt, bringt das auch nichts mehr.

Wasserrutsche: Achtsamkeit ist wichtig

Wasserrutsche: Achtsamkeit ist wichtig

Foto: Arne Dedert/ dpa

SPIEGEL: Ist Rennrutschen verletzungsanfällig?

Köhnke: Eigentlich nicht. Es gibt einige Rutschen, wo man sich überschlägt, manchmal prellen sich die Leute die Hände oder Rippen. Aber was Ernsthaftes habe ich noch nie gehabt.

SPIEGEL: Die erste Angst, die man auf der Rennrutsche entwickelt, ist, dass jemand einem in den Rücken rutscht. Kennen Sie das?

Köhnke: Nein, die Angst hatte ich nie. Aber ich hatte früher panische Angst vor Rutschen, ich war klaustrophobisch. Die Enge konnte ich gar nicht ab. Das hat sich im Alter von zehn Jahren gelegt. Achtsamkeit auf der Rutsche ist wichtig. Ich hatte mal den Fall, dass ich einem Vater mit Kind gesagt habe, sie sollen sich melden, wenn sie durch sind. Der Vater hat mir dann ein Zeichen gegeben, und ich bin gestartet. Als ich dann ins Becken gerauscht bin, hat das Kind dort aber fröhlich gespielt – und ich bin reingerutscht. Zum Glück ist nichts passiert, aber das hätte übel ausgehen können. Bei Wettkämpfen haben wir deshalb immer einen Aufpasser unten am Becken stehen.

SPIEGEL: Das Thema Steckenbleiben betrifft Sie wahrscheinlich eher nicht.

Köhnke: Ich habe keine Ahnung, wie Leute das hinbekommen, in der Rutsche stecken zu bleiben.

Cedric Köhnke im Becken

Cedric Köhnke im Becken

Foto: Privat

SPIEGEL: Ihr Vater Andreas ist ebenfalls Wasserrutscher, Bruder Lenius rutscht auch …

Köhnke: … und meine Schwester Lisanne war als Kind deutsche Meisterin. Uns wurde das in die Wiege gelegt. Mein Vater macht das schon seit Anfang der Neunzigerjahre. Er ist immer mit seinem kleinen Bruder in die HolstenTherme zu Wettkämpfen nach Kaltenkirchen gefahren. Der Preis für den ersten Platz war damals eine Freikarte.

SPIEGEL: Ist Ihr Vater noch besser als Sie?

Köhnke: Er ist mit 55 Jahren immer noch einer der besten Rutscher Deutschlands. Aber er kam jetzt zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften nicht mehr aufs Podest. Mein Ziel ist es natürlich immer, besser als er zu sein. Dafür gebe ich Vollgas.