Für Milliarden Menschen ist Reis ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Ein Forschungsteam ist in einer Studie nun zu dem Schluss gekommen, dass das für viele lebenswichtige Getreide wohl stärker von der Klimakrise betroffen ist als bislang angenommen.
Bereits bei einer globalen Erwärmung von einem Grad ist laut den Berechnungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) sowie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) mit einem Rückgang der Reiserträge von 8,1 Prozent zu rechnen. Dies sei ein mehr als doppelt so starker Rückgang als von bisherigen Erntemodellen berechnet, schreibt die Gruppe im Fachjournal »Science Advances«. Diese hatten den Rückgang auf 3,8 Prozent geschätzt.
»Die Abweichung zwischen Beobachtungen und Modellen scheint vor allem darauf zurückzugehen, dass viele heutige Erntemodelle Hitzeschäden während der Fortpflanzungsphase von Reis noch nicht ausreichend erfassen«, erklärt UFZ-Erstautorin Yiwei Jian. »Die Beobachtungen der Studie zeigen, dass Reis genau dann besonders anfällig für extreme Hitze ist, wenn sich Rispen und Körner entwickeln.«
Ein Reisfarmer bei der Arbeit
Foto: Willy Kurniawan / REUTERSDie Autoren betonen, dass ihre Berechnung nicht als konkrete Prognose der künftigen Reisproduktion zu verstehen sei, da nur Temperatureffekte berücksichtigt wurden, nicht aber Auswirkungen durch andere Einflüsse wie etwa eine veränderte Verfügbarkeit von Wasser.
Zudem hat sich die Erde bereits deutlich stärker erwärmt als ein Grad, nämlich um rund 1,4 Grad. Im vergangenen Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur laut Weltwetterorganisation etwa 1,44 Grad über dem Niveau des Zeitraums von 1850 bis 1900.
Für ihre Berechnungen zogen die Forscherinnen und Forscher mehr als 200 Beobachtungen aus Freilandexperimenten heran. In diesen Versuchen wurde teils die Umgebungstemperatur der Reispflanzen gezielt erhöht. Dass der Effekt des Klimawandels auf die Reiserträge bislang unterschätzt wurde, erklären die Forscher unter anderem damit, dass bisherige Modelle sich oft eher auf die allmählichen Folgen höherer Durchschnittstemperaturen fokussiert haben statt auf unmittelbare Schäden durch Extremhitze.
Süd- und Südostasien laut Studie besonders betroffen
Besonders stark betroffen von Hitzeeffekten wären der Studie zufolge Süd- und Südostasien. In manchen Regionen dort könnten die Ernteeinbußen größer ausfallen, da die Reispflanzen besonders häufig extremer Hitze ausgesetzt sind: So geht PIK-Co-Autor Christoph Müller etwa für Thailand von einem Gesamtschaden von knapp 14 Prozent pro Grad Erwärmung aus.
Das Team empfiehlt, den Reisanbau den neuen klimatischen Gegebenheiten anzupassen und hitzetolerante Sorten zu entwickeln und anzubauen, Pflanztermine abzustimmen sowie Bewässerung und Bodenqualität zu optimieren.
