Das Vermögen der Milliardäre in den G20-Staaten ist laut der Entwicklungsorganisation Oxfam im vergangenen Jahr um 2,2 Billionen Dollar gewachsen. Demnach konnten die Superreichen ihr Vermögen innerhalb eines Jahres von 13,4 Billionen auf 15,6 Billionen Dollar steigern, heißt es in einer Analyse der Nichtregierungsorganisation kurz vor dem G20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 22. und 23. November im südafrikanischen Johannesburg.
Allein dieser Vermögenszuwachs würde ausreichen, um 3,8 Milliarden Menschen aus der Armut zu befreien, schreibt Oxfam in seiner Studie. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 1,65 Billionen Dollar pro Jahr. 3,8 Milliarden Menschen könnten damit über die von der Weltbank definierte Armutsgrenze von 8,30 Dollar pro Tag gehievt werden.
Oxfam forderte Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs auf, ein internationales Gremium gegen Ungleichheit zu schaffen. Dieses solle eine ähnliche Rolle einnehmen wie der Weltklimarat (IPCC) bei der Klimakrise. Zudem müsse die auf dem G20-Gipfel in Brasilien gestartete Initiative für eine globale Besteuerung von Superreichen umgesetzt werden. Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit müssten zurückgenommen werden.
Improvisiertes Ping-Pong-Spiel in Südnigeria
Foto: YASUYOSHI CHIBA/ AFPDie Bekämpfung der Ungleichheit ist ein zentrales Thema des Gipfels. Auch die südafrikanische G20-Präsidentschaft hat dazu eine umfassende Analyse in Auftrag gegeben. Ein von dem Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz geleiteter Sonderausschuss unabhängiger Experten spricht von einem »Notstand der Ungleichheit«.
»Weltweit fügt die wachsende Ungleichheit der Menschheit schweren Schaden zu«, sagte Tobias Hauschild, Leiter des Bereichs Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland. Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs der G20 sollten sich klar für die Schaffung eines solchen Gremiums zur Bekämpfung der Ungleichheit aussprechen.
Trotz der Absagen der Präsidenten der USA und Chinas nimmt Kanzler Merz am Gipfel in Südafrika teil. »G20 bleibt für Deutschland ein wichtiges multilaterales Format zur Abstimmung mit führenden Industrie- und Schwellenländern«, hatte die Bundesregierung kürzlich erklärt.
