Etwa 60 Jahre nach der historischen Landung der sowjetischen Mondsonde »Luna 9« glauben ein US-Forscherteam und ein russischer Blogger, ihre Überreste gefunden zu haben – allerdings sind sie sich über den genauen Ort uneinig. Entscheidend könnten Aufnahmen der indischen Sonde »Chandrayaan‑2« sein, die eines der Gebiete im März fotografieren soll, wie die »New York Times« berichtet.
»Luna 9« landete im Jahr 1966 sicher auf dem Mond. Warum Fachleute jahrelang über ihren Verbleib rätselten, liegt an ihrem geringen Durchmesser: Die kugelförmige Sonde misst nur 60 Zentimeter.
Der »Lunar Reconnaissance Orbiter« (LROC) der Nasa umkreist seit 2009 den Mond, um ihn mit einer hochauflösenden Kamera möglichst genau zu kartieren. Der LROC kann die Fläche auf wenige Zehntel Quadratmeter erfassen. Aber um den genauen Verbleib von »Luna 9« zu ermitteln, ist auch das zu ungenau. Trotzdem gaben Aufnahmen des LROC den Anlass, weiter nach der Sonde zu fahnden, so auch dem russischen Journalisten und Wissenschaftsblogger Vitaly Egorov. In Livedaten des LROC suchte er nach Hinweisen auf einen möglichen Landepunkt und verglich die Aufnahmen mit denen von »Luna 9«.
Jetzt glaubt er, die richtige Region gefunden zu haben, doch lässt sich der exakte Punkt anhand der Pixel nicht bestimmen. Unterstützung erhofft sich Egorov von der indischen Sonde »Chandrayaan‑2«, die seit 2019 den Mond umkreist: Ihre Kamera liefert höher aufgelöste Bilder als der LROC.
Algorithmus sucht nach Mondartefakten
Schon vor Egorovs möglicher Entdeckung untersuchte eine Gruppe von Planetenforschern des University College in London den Mond mithilfe eines KI-Programms. Es durchkämmt LROC-Aufnahmen und markiert Stellen, deren Kontraste anderen technischen Überresten ähneln – etwa Apollo-Landestellen.
Dabei stießen die Forschenden auf mehrere mögliche Landeplätze, nur wenige Kilometer von den seit den Sechzigerjahren vermuteten »Luna 9«‑Koordinaten entfernt. Auf einem der Punkte sind ein helles Pixel und zwei dunkle Flecken zu erkennen, die von der Landefähre und Teilen der Hülle stammen könnten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal »npj Space Exploration «. »Ich bin sehr optimistisch, dass es sich vielleicht um ›Luna 9‹ handeln könnte«, sagte der Leiter der Gruppe, Lewis Pinault, der »New York Times«.
Weltraumarchäologen uneinig
Nicht alle Fachleute sind überzeugt. Der kanadische Mondforscher Philip Stooke von der University of Western Ontario kartierte zahlreiche Mondartefakte. Er betont, dass keine der beiden Fundstellen einen endgültigen Beweis für den Verbleib von »Luna 9« liefert – auch wenn er die von Egorov vorgeschlagene Position auf Nachfrage der »New York Times« als die vielversprechendere einschätzt.
Ob Egorovs Vermutung stimmt, dürfte sich erst bei der geplanten Expedition der indischen Mondsonde zeigen. Auch andere Missionen, darunter die »Elytra«‑Sonde des privaten US-Unternehmens Firefly, sollen die Region aus der Nähe erkunden und nach Spuren von »Luna 9« suchen.
Von diesen Missionen erhoffen sich Forschende auch Hinweise auf andere verloren geglaubte Weltraumartefakte. Bis heute ist die Position einiger Raumsonden, die sich vor Beginn der Apollo-Missionen im Jahr 1969 ihren Weg zum Mond bahnten, nicht eindeutig belegt.
