SpOn 21.11.2025
13:35 Uhr

Quickshare lernt AirDrop: Google-Handys können jetzt mit iPhones Dateien austauschen


Android- und iPhone-Nutzerinnen können jetzt per AirDrop Fotos und andere Daten drahtlos austauschen. Google hat diese neue Brücke jedoch ohne Apples Hilfe gebaut. Das könnte sich rächen.

Quickshare lernt AirDrop: Google-Handys können jetzt mit iPhones Dateien austauschen

Alle paar Monate veröffentlicht Google sogenannte Pixel Drops  für seine Pixel-Smartphones. Mit den kostenlosen Updates werden die Smartphones des Internetkonzerns regelmäßig um neue Funktionen und Fähigkeiten erweitert. Im Oktober 2024 gab es unter anderem einen Unterwassermodus für die Kamera-App, im März eine Funktion, die betrügerische Anrufe und SMS erkennen soll. Das aktuelle Update, das Google seit dem 11. November verteilt , bietet unter anderem ein Designpaket im Stil von »Wicked: Teil 2« und einen Energiesparmodus für Google Maps.

Googles aktuelle Modelle der Pixel-10-Serie jedoch – und vorerst nur die – haben still und leise ein noch sehr viel spannenderes neues Feature bekommen: Ab sofort können sie über Apples AirDrop-Technologie mit iPhones Dateien austauschen.

Apple hat das immer für sich behalten

Bisher war daran nicht zu denken. Apple hatte AirDrop im Jahr 2011 zusammen mit OS X Lion erst nur für Macs und später auch für iPhones und schließlich iPads verfügbar gemacht. Die Technologie ermöglicht es, Dateien ohne Umweg von einem Apple-Gadget auf ein anderes zu übertragen. Zwischen iPhones genügt es seit einiger Zeit, die Geräte kurz aneinanderzustupsen, um etwa einem Freund oder einer Freundin ein Foto aufs Handy zu beamen, das man gerade geknipst hat. Google zog 2020 mit einer ähnlichen Technologie namens Nearby Share nach, die heute Quick Share heißt.

Das Problem: In ihrem jeweiligen Ökosystem funktionieren die Systeme von Apple und Google gut, miteinander überhaupt nicht. Zumindest war das bis jetzt so. Mit Googles Update haben die aktuellen Pixel-Smartphones nun gelernt, mit iPhones via AirDrop zu kommunizieren . Und zwar in beide Richtungen. Man kann also Dateien vom Pixel 10 zum iPhone senden und umgekehrt.

Zehn Minuten für alle

Der Vorgang an sich ist simpel. Man wählt auf seinem Handy die Datei aus, die man senden möchte, also etwa ein Foto. Dann tippt man beim Pixel auf »Teilen« oder beim iPhone auf das Teilen-Symbol (ein Quadrat mit einem Pfeil nach oben). Nun wählt man auf dem Pixel »Quick Share« oder auf dem iPhone »AirDrop« aus. Auf dem Bildschirm, der daraufhin angezeigt wird, werden die Geräte aufgeführt, an die man senden kann.

Pixel-Smartphone schickt iPhone-Foto an iPhone: Eigentlich ganz einfach

Pixel-Smartphone schickt iPhone-Foto an iPhone: Eigentlich ganz einfach

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Hier kommt ein feiner Unterschied zum Standardprozedere im eigenen Ökosystem ins Spiel: Damit Pixel und iPhone einander erkennen, muss in den Einstellungen für Quick Share beziehungsweise AirDrop die Option »Alle für 10 Minuten« (Android) respektive »10 Minuten für alle« (iPhone) ausgewählt werden. Ist das erledigt, kann man zehn Minuten lang Dateien hin- und herschieben, wie man mag.

Die Frage ist nur, wie lange das so bleibt. Denn Googles Softwareentwickler haben den Brückenschlag komplett ohne Apples Unterstützung durchgeführt, wie ein Unternehmenssprecher dem Techmagazin »The Verge« bestätigt hat . Ob Google den iPhone-Konzern im Vorfeld überhaupt über seine Pläne informiert hat, ist unklar.

Google scheint sich Apples Vorbehalten bewusst zu sein

Sicher ist jedoch, dass man bei Apple nicht glücklich über den Alleingang der kalifornischen Nachbarn sein dürfte. Kein anderes Unternehmen argumentiert so regelmäßig und vehement gegen jegliche Form von Einmischung in seine Hard- und Software wie Apple, ganz egal, ob die von Regulierungsbehörden oder Konkurrenten kommt.

Google etwa hatte jahrelang gewettert , Apple solle doch endlich den SMS-Nachfolger RCS in seine Nachrichten-App einbauen. RCS ermöglicht es, neben Textnachrichten auch Fotos und Videos zu versenden oder Gruppenchats zu führen, ohne dass man dafür Apps wie WhatsApp, Telegram oder Signal installieren muss. Erst Ende 2023 führte Apple den Standard schließlich auf seinen Produkten ein.

Dateiempfang auf einem Pixel 10 Pro Fold: Von Apple zu Android geht das auch

Dateiempfang auf einem Pixel 10 Pro Fold: Von Apple zu Android geht das auch

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Dass sich Google Apples nahezu unausweichlicher Kritik beim Thema AirDrop im Vorfeld bewusst war, zeigt sich darin, dass der für Plattformsicherheit zuständige Google-Manager Dave Kleidermacher dem Thema einen eigenen Blogpost widmet . Darin versucht er nicht nur, präventiv potenzielle Apple-Argumente zu entkräften, sondern weist außerdem darauf hin, dass das System von einer auf solche Prüfungen spezialisierten Firma auf Schwachstellen hin abgeklopft worden ist.

Wie reagiert der iPhone-Konzern?

Ob Apples Management sich davon überzeugen lässt, ist fraglich. Sich von Fremden zur Zustimmung bewegen zu lassen, nachdem man nicht gefragt wurde, ist nicht die natürliche Reaktion des Konzerns. Aber, wie der in Sachen Apple oft gut informierte Bloomberg-Redakteur Mark Gurman auf X anmerkt : So gern Apple Googles Treiben womöglich einen Riegel vorschieben würde, so wenig wird es sich der Kritik aussetzen wollen, eine Technologie zu unterbinden, die von den Nutzerinnen und Nutzern als nützlich empfunden wird.

Mehr zum Thema

Noch hat sich Apple nicht zum Thema zu Wort gemeldet. Eile ist aber auch nicht vonnöten: Denn noch ist Googles AirDrop-Funktion ja nur für die Modelle der Pixel-10-Serie verfügbar, die weltweit betrachtet einen winzigen Marktanteil haben. Man freue sich darauf, diese Fähigkeit »auf weitere Android-Geräte auszuweiten«, heißt es zugleich aber schon von Google. Wann und auf welche, verrät das Unternehmen nicht.

mak