SpOn 05.01.2026
06:18 Uhr

Prüfungsphase: So kommst du entspannt durch die Klausuren


Die Klausuren stehen an – und mit ihnen der Stress. Wie man einen Lernplan erstellt, die KI zum persönlichen Tutor macht und dabei die Nerven behält.

Prüfungsphase: So kommst du entspannt durch die Klausuren

Darauf, wie ich meine Prüfungsphasen im Bachelor durchgestanden habe, bin ich nicht stolz. Es hat sich vor allem nachts abgespielt.

Wenn ich daran zurückdenke, sehe ich mich mit einer Freundin weit nach Mitternacht Yoga machen, um irgendwie wach zu bleiben. Noch schnell die letzte Vorlesung zusammenfassen, einmal durch die Folien klicken. Dieses Skript haben wir noch gar nicht aufgeschlagen. Oh, die Sonne geht schon auf.

Zu wenig Zeit zu haben, ist im Studium normal. Mehrere Bücher, Hunderte Seiten Skript und Vorlesungsfolien, Altklausuren und Übungsaufgaben: In vielen Fächern ist es gar nicht möglich, alle Inhalte zu kennen. Erst recht nicht, sie auswendig zu lernen.

Wenn man, so wie ich, den Großteil des Stoffes für die letzten Stunden vor der Prüfung aufspart, macht man es unbestreitbar schlimmer. Trotzdem: Zeitknappheit wird dich später im Job wahrscheinlich ständig begleiten. Das Studium ist der perfekte Zeitpunkt, um zu lernen, wie du damit umgehen kannst. Nachtschichten würde ich dir trotzdem nicht empfehlen.

Heute erfährst du, wie du durch die Prüfungsphase kommst, ohne in Panik zu verfallen. Alles beginnt mit einem guten Lernplan. Wie man den erstellt, hat der Studienberater und Autor Tim Reichel hier ausführlich erklärt. Ich habe für diese Folge meine Lieblingstipps ausgesucht und dazu ein paar Ideen gesammelt, wie KI dir Arbeit abnehmen kann.

1. Ziel bestimmen

Wichtig sei, immer konkrete Ziele vor Augen zu haben, auf die man hinarbeiten kann, sagt die Lernexpertin und Professorin Ulrike Lichtinger hier im Interview. Sie empfiehlt, diese in einem Visionboard festzuhalten. Dafür hängt man sich ein großes Blatt Papier über den Schreibtisch. Auf der linken Seite ist die Ausgangslage, auf der rechten Seite notiert man nun ein langfristiges Ziel – in diesem Fall das Bestehen der Prüfungen.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss man sich nun viele kleine Schritte für den Weg dorthin überlegen. Diese notiert man über das Blatt hinweg. Kleine Erfolge, wie eine bestandene Probeklausur oder die Gründung einer Lerngruppe, kann man auf bunte Klebezettel schreiben und den Zwischenschritten zuordnen. So macht man sichtbar, was man bisher geschafft hat, um dem großen Ziel immer näherzukommen.

2. Stoff sammeln und strukturieren

Als Nächstes sammelst du alle Unterlagen, die bisher zu deinem Prüfungsfach angefallen sind, auf einer Liste – Vorlesungsfolien, Übungsaufgaben und Kapitel aus den Lehrbüchern. Dann beginnst du, den Stoff in Themenblöcke zu sortieren. So bildet sich automatisch eine erste Lernstruktur, und du kannst abschätzen, wie aufwendig jeder Themenblock ungefähr ist.

Ab diesem Schritt können dich KI-Tools unterstützen. Im Prompt forderst du sie auf, die Rolle eines Tutors zu übernehmen. Teile dann das Lernmaterial mit ihr und lass dir helfen, den Stoff den Themenblöcken zuzuordnen, die du vorher festgelegt hast.

3. To-dos festlegen

Nachdem du geplant hast, was du lernen musst, geht es nun um das Wie. Lege fest, welchen Teil des Stoffes du nur überfliegen musst, welchen zusammenfassen oder auswendig lernen. Dafür gehst du die Themenblöcke einzeln durch und gibst jedem Punkt konkrete To-dos.

4. Deadlines setzen

Damit sich die vermutlich lange Liste an To-dos nicht überfordernd anfühlt, setzt du für die Punkte jetzt unterschiedliche Deadlines. Es hilft, wenn du dazuschreibst, wie lange du für ein To-do ungefähr brauchst. So entstehen kleine Meilensteine, die du nacheinander abhaken kannst – um dich zusätzlich zu motivieren, kannst du die größten Erfolge auf deinem Visionboard vom Anfang eintragen.

5. Zeitplan erstellen

Jetzt vereinst du all die Listen und Aufzählungen in einer Darstellung: deinem chronologischen Lernplan. Das geht etwa in einem »Gantt-Chart«, einer Tabelle, die deine Aufgaben in kleinen Balken auf einer Zeitachse darstellt. Klingt kompliziert, ist aber sehr übersichtlich.

Auch dabei hilft dir ein KI-Tool wie ChatGPT, das Tabellen erstellen kann. Füttere sie einfach mit den Listen und Deadlines aus den vorherigen Schritten und bitte sie um ein Gantt-Chart. Das könnte dann so aussehen:

Foto: [KI] ChatGBT

Lernmethoden und KI-Tricks

Wenn der Plan steht, geht es mit dem eigentlichen Lernen los. Lernexpertin Lichtinger hält dabei die Pomodoro-Methode für besonders effektiv:

  • Die besteht aus einem 20-minütigen Lernblock gefolgt von einer fünfminütigen Pause, um das Gehirn zu entspannen und die Konzentration wieder aufzuladen.

  • Für Lernblock und Pause solle man sich jeweils einen Timer stellen.

  • Nach vier Lernblöcken gönnt man sich eine längere Pause, in der man unbedingt an die frische Luft gehen solle, rät Lichtinger.

Abhängig vom Lerninhalt und den persönlichen Vorlieben eignen sich unterschiedliche Lerntechniken, etwa die Loci-Methode oder die Feynman-Technik. Wer nicht nur lesen, sondern auch hören möchte, kann sich von einem KI-Tool wie Speechify helfen lassen. Das liest Texte in einer KI-generierten, aber natürlich klingenden Stimme vor, sodass man während des Lernens nicht am Schreibtisch sitzen muss, sondern etwa joggen oder kochen kann.

Mir haben Lernpartner:innen immer geholfen – nicht nur, um mich wach zu halten. Wer einer Kommilitonin einen Zusammenhang erklärt, merkt ihn sich besser. Außerdem kann man sich gegenseitig unterstützen, wenn die Nerven mal flattern.

KI kann Lernbegleitung, Schreibtutorin, Nachhilfelehrerin oder Konversationspartnerin sein – und ist dabei unendlich geduldig.

Eine ähnliche Rolle kann mittlerweile auch KI übernehmen: Sie kann Lernbegleitung, Schreibtutorin, Nachhilfelehrerin oder auch Konversationspartnerin sein – und ist dabei unendlich geduldig. Dafür macht Mitternachtsyoga mit einem echten Menschen deutlich mehr Spaß.

Wie immer gilt: Die meisten KI-Sprachmodelle können zwar fehlerfrei Sätze formulieren, die Fakten darin halluzinieren sie aber gelegentlich herbei. Vor allem in Bezug auf Fachinhalte sollte man sich nicht auf die KI verlassen und Quellen nachprüfen. Was man hochlädt, sollte außerdem keine sensiblen Informationen enthalten.

  • Als Prompt eignet sich zum Beispiel: »Ich bereite mich auf eine Klausur in meinem Studium der Soziologie vor, mein Thema ist die Theorie sozialer Rollen. Gib mir zehn Prüfungsfragen zum Thema und lasse sie mich der Reihe nach beantworten.«

  • Man kann auch Rollen tauschen und der KI etwas erklären. Ein Prompt dafür könnte sein: »Du bist unwissend in dem Bereich Demokratietheorie, du bist aber ein Kommilitone, der ebenfalls in meinem Fach eingeschrieben ist und ich erkläre dir, was du wissen musst«.

Es gibt viele weitere KI-Programme , die beim Lernen helfen können: Perplexity kombiniert das Wissen von ChatGPT und Bing mit zahlreichen Datenbanken, um ausführliche Antworten auf Fragen zu geben, inklusive Quellenangabe. Programme wie Flashka können aus PDFs Karteikarten erstellen. Viele Hochschulen bieten auch eigene Tools an, die auf das wissenschaftliche Arbeiten und Lernen ausgelegt sind.

Keine Angst vor Prüfungsangst

Trotz all der Pläne und Tools ist die Prüfungsphase keine einfache Zeit. Es wird Momente geben, in denen du an dir zweifelst, vielleicht sogar in Panik gerätst. Das ist ganz normal. Wenn du aber regelmäßig unter Angstzuständen leidest und der Gedanke an die Prüfung deinen Alltag bestimmt, kannst du dir Hilfe suchen. Wo das am besten geht, kannst du in der vorherigen Folge dieses Newsletters nachlesen.

Gegen die alltäglichen Zweifel hilft dir vielleicht die sogenannte Idiotentheorie, die Studienberater Tim Reichel empfiehlt: Denk an die vielen erfolgreichen Idioten dieser Welt. Oder auch nur an all die chaotischen Studierenden, die die Prüfungen vor dir bestanden haben. Warum solltest du das mit deiner Vorbereitung im Rücken dann nicht schaffen?

Viel Durchhaltevermögen wünscht

Tanya Falenczyk, Redakteurin SPIEGEL Start


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Komplexe philosophische Aufsätze, Versuchsbeschreibungen voller Abkürzungen oder eine englischsprachige Studie: So manche Pflichtlektüre an der Uni kann ganz schön frustrierend sein. Wie man schneller durch schwierige Texte kommt , hat Lesetrainer Friedrich Hasse meiner Kollegin Veronika Silberg erklärt.


Beim nächsten Mal

In der nächsten Folge in einem Monat erfährst du, wie du deine ersten Hausarbeiten schreibst – ganz ohne Schummeln und fast ohne Nachtschicht.

Anschluss verpasst? Alle bisherigen Folgen von »Semester Eins« findest du hier.


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